Genussgötter

Roman – A Family Matter

Es riecht nach Popcorn und Spänen, ein markanter Herr kündigt an, was heute im virtuellen Raum von ipads und Online-Games verschwunden ist: den Thrill, den echte Menschen in einer Manege schaffen können. Mit Körpern, mit Gesten, mit Crazy Stunts und Kunststücken, die selbst den sportlichsten Zuschauern den Hals verrenken. Als Kinder quollen uns die Augen über, wenn sich Kontorsions-Künstlerinnen die Füße hinter die Ohren klemmten und junge Artisten sich wie Federn durch die Kuppe eines Zeltes schwangen. So geplant alles war, so ungezwungen, so leicht schien es sich zu entwickeln. Der Zirkus – eine Welt für sich, die uns in fiebrige Aufregung und Zuckerwatte bettete. Candy-Crush noch ganz old school. Offline-Entertainment für die gesamte Family.

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Vom Schausteller zum Unternehmer

Was für viele ein Familien-Erlebnis war, war meist auch ein Family Business. Denn Zirkusse waren traditionell Familienunternehmen, die enge Bindungen zwischen Akteuren und Artisten pflegten. Heute touren nur noch wenige der bunten Banden durch die Städte. In unserer Perle haben wir jedoch einen Bird eingefangen, der mit seinem Bruder und Vater einen Weg gefunden hat, die mitreißende und doch meist wenig rentable Schausteller-Tradition durch einen anderen Revenue Stream zu refinanzieren. Denn Roman Kliewer ist einer der Köpfe hinter Mignon, einem der gefragtesten Catering-Unternehmen im Norden,  und hat sich mit dem Circorante auf Sylt sowie diversen kulinarischen Projekten in Hamburg einen Namen gemacht.

Roman ist eines der sieben Kinder des Sonderpädagogen und Zirkusdirektor Martin Kliewer, der vor ca. 25 Jahren in Hamburg den Circus Mignon gründete und erst kürzlich verstarb. Was er als Familienoberhaupt schuf ist weit mehr als eine Bühne für die gute Unterhaltung. Denn Mignon ist neben einem Ort für bunte Inszenierungen in erster Linie eine Zirkusschule für Kinder aller Bildungsschichten, die durch Artistik und Jonglage die eigene Motorik verbessern, Selbstvertrauen erlernen und als Teil eines Ensembles Verantwortung und Zusammengehörigkeit erfahren sollen.

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Was den Charme des Zirkusgeschehens ausmacht, ist in dem sozialen Projekt seitdem erhalten geblieben: von Romans Schwester eigens entworfene Kostüme, selbst komponierte Musik, authentische Inszenierungen mit jungen Menschen, die sich nicht ver- sondern vorstellen und die Chance ergreifen, ihre Talente und Facetten auf eine Bühne preiszugeben. „Es ist uns wichtig, dass Kinder lernen auch öffentlich zu ihren Schwächen zu stehen“, erklärt Roman. „Unser Vater wollte mit den Inszenierungen auf gar keinen Fall einen Leistungsdruck erzeugen und wir sind immer wieder überrascht, wenn Eltern fragen, warum ihre Kinder denn nun noch immer nicht mit drei Bällen jonglieren können. Gerade die Akzeptanz auch von Schwächen durch das Publikum kann den Selbstwert von Kindern extrem erhöhen.“ Heute ist der Circus Mignon in Hamburg eine kleine Institution mit fünf Ensembles und diversen Shows geworden – obwohl in seinen Anfangszeiten oft viermal so viel Menschen auf der Bühne standen wie im Publikum saßen.

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Für Roman bietet das Familienunternehmen bis heute eine besondere Chance, Menschen Emotionen zu verkaufen, sie über den schmalen Grat von Kitsch und kalkulierter Darbietung zu führen und ihnen eine Welt zu eröffnen, die dem Alltag die Stirn bietet. Das klingt zwar reichlich idealistisch. Doch der bescheidene Bird, der das Unternehmen nicht an seinem Gesicht und Namen festgemacht hat, entwickelt zusammen mit seinem Bruder eine deutlich wirtschaftlichere Perspektive auf das Geschehen in der Manege als sein visionärer Dad. Aus einer Idee, die für viele nach einem kaum rentablen Sideprojekt aussieht, versuchen sie ein sinnvolles Finanzierungsmodell zu stricken.

Der 30-Jährige Geschäftsmann ist von Beruf Koch, lernte drei Jahre im Hotel Atlantic und bereiste dann die Welt, um mit einem frischen Blick auf den Familienbetrieb zurückzukehren. Einem Blick, der erkannte, dass sich im Zirkus neben großen Emotionen auch ganz ursprünglichere Bedürfnisse bedienen ließen. Auf der Insel Sylt, wo der Circus Mignon  jeden Sommer eine große Zeltstadt errichtet, in der Kinderzirkusse mit jungen Artisten aus aller Welt ihr Programm aufführen dürfen, stellte er für die Besucher nach der Vorführung ein paar Leckereien im „Family Style“ zusammen. Große Tische, allerhand Essen in der Mitte – und das Recht zum Zugreifen. „Eigentlich war ein solches kulinarisches Konzept sogar naheliegend, schließlich mussten wir unsere Artisten sowieso verpflegen“, erklärt er.

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Ein Team von Gaumenganoven

Ein Idee, aus der heute weit mehr geworden ist als ein kleines Catering-Business zur Versorgung von ein paar Zirkusbesuchern. Denn mittlerweile ist Roman einer der gefragtesten Caterer Hamburgs, der als kreativer „junger Wilder“ die Gastronomie der Trabrennbahn betreibt, das Wälderhaus in Wilhelmsburg mit kulinarischen  Kreationen versorgte, die Dinner Show Havanna Nights verantwortete und ganz nebenbei noch den verrückten Food-Truck „Gaumenganoven“ durch die City treibt. Seine riesige Produktionsküche hat er auf dem Gelände der Zirkusschule, einer Villa an der Osdorfer Landstraße, zentralisiert. Für ihn arbeitet, wer gern kocht, die Gastro mag – und sich nicht zuletzt für die Belange des Zirkus begeistern kann.

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Denn mit seinem kulinarisch-künstlerischen Konzept führt Roman im Prinzip das fort, was einmal die Grundlage für jeden Zirkus war: die engen Bande zwischen den Akteuren, die gegenseitige Unterstützung über die Disziplinen hinaus, Zusammenhalt und Entwicklungsmöglichkeiten. „Auch als Geschäftsmann glaube ich daran, dass nicht immer alles bis ins letzte Detail planbar ist. Man muss den Dingen auch ein wenig Raum geben. Dann entwickeln sie sich. Oder sie entwickeln sich eben nicht.“ Vielleicht hat Roman mit seinem Modell deshalb so viel Erfolg. Weil es sich ein bisschen funktioniert wie die Show im Zirkus selbst: mit detaillierter und professioneller Planung – aber nie ohne das nötige Fünkchen Leichtigkeit.

Circus Mignon

Team Mignon

GIVE & TAKE

Du suchst Roman, wenn:
du Kids hast, die du in die bunte Welt des Zirkus einführen möchtest. Oder natürlich wenn Du mal so riiiichtig Kohldampf hast.

Roman sucht dich, wenn:
du jemand bist oder jemanden kennst, der eine größere Fläche in der HafenCity zeitweilig vermieten möchte. Roman würde sie gern mit seinen kreativen und kulinarischen Projekten bespielen, um das junge Quartier kulturell zu beleben.

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