Genussgötter

Gibbo & Tina – Pubs & Legends

In Pöseldorf ist’s schön. So richtig schön. Hier parkt man den SUV entspannt in zweiter Reihe, um sich noch schnell einen Peppermint Mocca Extra Slim in einem berühmten amerikanischen Kaffee-Eldorado abzuholen. Hier glitzern Perlenohrringe mit Patek Philippe-Uhren um die Wette. Die Diskussion um ein Flüchtlingsheim scheint so schnell vom Tisch wie die letzten drei Trainer vom HSV. Kein Ort also, an dem die bunten Vögel nisten? You’d be surprised. Versteckt hinter einer unscheinbaren gelben Fassade verbirgt sich ein kleiner Pub, der die schicken Straßen von Pöseldorf wahrlich rockt: das Kemps.

Tender Bar

Von einem echten Barbesitzer, so wie man ihn aus Filmen und Romanen kennt, erwartet man Persönlichkeit. Einen Typ Lebenskünstler, der ein offenes Ohr für die Launen, Klagen und Höhenflüge seiner Gäste hat. Jemanden, der mit obskuren Nighthawks an der Bar über die wilden Zeiten philosophiert, während er das nächste Bierchen zapft. So wie Gibson und Tina Kemp. Wer die Tür zum eigenwillig dekorierten Tudors Pub mit bordeauxroter Innenausstattung öffnet, wird mit offenen Armen und lockerem Mundwerk empfangen und eingeladen, sich unter das bunte Volk zu mischen. Das Bild, das sich hier zeigt, ist so kurios wie die Gestalten in einem Film von David Lynch: Altrocker, die Musikgeschichte leben, quirlige Studenten, Familien, entrückte Autoren, Zocker, Schotten, Iren, Engländern – und ein paar waschechte Pöseldorfer.

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Wer so viele Wesen vereint, wer es schafft, seinem Pub eine derartige Anziehungskraft zu verleihen, der muss auch selbst jemand sein. Auf das bewegte Leben von Tina und „Gibbo“ Kemp weisen im Pub nur ein paar Fotos und Artikel hin, die zwischen den Plattencovern, Postern und zahlreichen Fotografien berühmter Musiker hängen. Dass Gibson damals bei der Geburtsstunde der wohl weltberühmtesten Musiker dabei war, erfährt man erst im Gespräch mit den beiden Unikaten: als Teil der Liverpooler Musikszene war er bekannt mit den Beatles, deren Manger Brian Epstein und den progressivsten Bands jener Zeit.

In den sechziger Jahren übernahm Gibson die Position des Schlagzeugers in der Liverpooler Rock n Roll-Band „Rory Storm and the Hurricanes“, die zuvor kein anderer als Ringo Starr verlassen hatte, um bei Englands berühmtesten Pilzköpfen einzusteigen. Gibsons erste Ehefrau wurde Astrid Kirschherr, Künstlerin und Beatles-Fotografin aus Hamburg, die zuvor mit dem ersten Beatles Bassisten und Künstler Stu Sutcliff verlobt war. In den Jahren darauf spielte Gibson in den Liverpooler Bands wie Kingsize Taylor & The Dominoes und dem Trio Paddy, Claus & Gibson. 1965 kam der musikalische Bird in unsere norddeutsche Perle, wo er später seine treffen sollte – hier lernte er die Schwedin Tina kennen, die damals bei einer skandinavischen Band sang und von einem deutschen Produzenten der Polydor entdeckt wurde. In Deutschland wurde sie zum festen Mitglied der berühmten Les Humphreys Singers, mit denen sie zwischen 1970 bis 1974 durch die gesamte Welt tourte.

Authentische Livemusik in Hamburg

Mit Beginn ihres gemeinsames Leben suchten diese zwei Birds nach alternativen Formen des Arbeitens und Zusammenseins und ihre aktiven Karrieren als Musiker rückten aus dem Fokus. Gibson begann, sich der Musik von einer anderen Seite zu nähern und arbeitete fortan in der Musikindustrie als Trendscout. Die beide zogen durch die Welt, lebten in London und Australien – wo Gibson u.a. die berühmte Rockband „INXS“ unter Vertrag nahm – und später in Holland, wo er als Vice President AnR für Polygram arbeitete. Doch auch Zugvögel bauen irgendwo mal ein Nest. Und diese beiden – wie sollte es anders sein – ein besonders schräges. Nach verrückten Überlegungen ein Postoffice Franchise in England zu übernehmen, entschieden sich die zwei für die etwas spritzigere, jedoch nicht weniger schrille, Option: in einem kleine Ort in Gloucester wurden sie Tenants eines Tudors Pubs, den sie zehn Monate lang aufbauten und später bewirtschafteten. Nach der Übernahme eines weiteren Pubs bei Bath zog es sie schließlich wieder nach Hamburg, wo sie 2003 das Kemps eröffneten.

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Hier am Mittelweg haben sie in 13 Jahren den Spirit aus Liverpool etabliert, das in den sechziger Jahren die kreativsten und talentiertesten Musiker jener Zeit hervorbrachte: Jeden Donnerstag bieten sie im Kemps jungen Singer-Songwritern eine Bühne, die in der gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre des Pubs eigene Stücke und Rockklassiker zum Besten geben. Darunter u.a. auch der in Hamburg lebende Australier Joel Havea, der sich in der deutschen Musikszene mittlerweile einen Namen gemacht hat. Zwischen – ja, ganz recht! – Porzellankühen im Union-Jack, beflaggten Kissen und Fotografien von Margaret Thatcher und der Queen sitzt es sich, sagen wir, very britsh. Dann beginnt die Musik, Tinas Stimme mischt sich unter einen Refrain – und man entgleitet in die Zeit als Bands noch nicht gecastet waren und Musik noch noch so richtig RocknRoll war.

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Tina und Gibbo suchen dich, wenn:
du ein professioneller oder semi-professioneller Musiker bist, der in Hamburg für sich und seine Stücke eine Bühne sucht.

Du suchst Tina und Gibbo, wenn:
du einmal ein London Pride in einem richtig coolen Englisch Pub nehmen willst und wenn du Spaß an Livemusik und der Entdeckung neuer Musiker hast – dann solltest du Donnerstags herein spazieren!

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