Genussgötter

Ulf & Wiebke – Die Anderswürzer

Man kann sein Herz an so einiges verlieren. An eine fixe Idee, eine Stadt, ein paar Schuhe – ja, liebe Herren –, an ein ganzes Land. Oder auch nur an einen Raum. An einen dieser Räume, die einen gleich gefangen nehmen und einen nicht mehr so recht loslassen wollen. Wiebke Basse und Ulf Lindeholz verloren ihr Herz an den kleinen Laden in der Rentzelstraße lange bevor er ihnen selbst gehörte. Zu einer Zeit, als die Location, in der sie regelmäßig zu Gast waren und die ganz früher einmal ein jüdisches Café war, noch Restaurant und  Weinbar war und „Pauls“ hieß. Heute haben die kulinarischen Abenteurer daraus ein eigenwilliges kleines Restaurant gemacht. Im „Kaalia“ bieten die gelernte Veranstaltungskauffrau und der Koch, der ursprünglich in Restaurants wie dem La Mirabelle, dem Cox und dem Vienna an den Töpfen stand, ihren internationalen Gästen eine fulminante Mischung aus französischer Cuisine und indischem Street-Food. Klingt nach einem explosiven Gemisch – und in kulinarischer Hinsicht ist es das auch.

Auf den Straßen der Welt

Eigentlich waren die beiden Birds aus Bergstedt, die sich 2005 kennenlernten, lange Zeit überall zu Haus – nur nicht unbedingt in Hamburg. Als Paar erkundeten die heute Anfang Dreißigjährigen gemeinsam die Welt, lebten ein Jahr lang im neuseeländischen Wellington und bereisten später immer wieder das vielseitige Indien, das sie durch und durch inspirierte. „Indien ist ein unheimlich intensives Land“, erzählt Wiebke „Es ist so reich an Geschmäckern, Farben und Gerüchen, das man davon regelrecht vereinnahmt wird. Dort kann man an nur einem einzigen Tag fast jede menschliche Emotion durchleben“, erzählt sie über die vielen verrückten und aufregenden Erfahrungen, die die beiden auf ihren Touren erleben durften. Auch die kulinarische Seite des Landes regte die Fantasie der beiden Zugvögel an: die ausgefallenen Gewürze, die frischen Zutaten und das gesellige Zusammenkommen an den wuseligen Straßenrändern der Millionen-Metropolen sind heute nicht nur Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit, sie leben in den Food-Kreationen der beiden hier in Hamburg fort. Zu Beginn hinterließen diese Einflüsse ihre Spuren noch im von den beiden Freigeistern gegründeten Dinner-Club „Zum Kuckuck“, in dessen Rahmen sie ihre kulinarische Brut regelmäßig auf die Teller fremder Locations legten – und heute natürlich im Kaalia.

Kaalia
Die Zutaten also: zwei kreative Vögel, jede Menge Inspirationen aus der Weltküche und ein einmaliges Food-Konzept – wen wundert’s, dass bei so einer feurigen Mischung irgendwann das Schicksal höchstpersönlich an die Tür klopft. Naja, vielleicht nicht höchstpersönlich. Aber es klopfte. Im Fall der beiden in Gestalt des Inhabers vom „Pauls“. Als er sich entschied, sein Restaurant abzugeben – an jemanden der es mit Herzblut und eigenen Ideen weiterführen würde –, dachte er zuerst an die sympathischen Weltenbummler, die schon so früh einen Narren daran gefressen hatten. Die waren, obwohl ein eigenes Restaurant durchaus ihr Lebenstraum war, erst einmal unsicher. Ohne Erfahrungen in der Geschäftsführung ein eigenes Restaurant leiten, es von der Pike aufbauen, den kleinen Laden, dessen Lage nicht unbedingt die beste Ausgangssituation für ein Restaurant hat, im Viertel und in Hamburg bekannt machen? Und das mit der Manpower von – richtig, ganzen zwei Personen? Nicht unbedingt das, was unsere Muttis einen grundsoliden Zukunftsplan genannt hätten. Doch die zwei ließen sich auf diese andere Reise ein, übernahmen den kleinen Laden mit den ihnen zur Verfügung stehenden  Mitteln und eröffneten im Dezember letzten Jahres ihr kleines Restaurant. „Keine Frage, zu Beginn hatten wir echte Zweifel. Aber auch als wir die Ladentür zum dritten Mal aufgeschlossen haben, hat sich das Ganze für uns irgendwie immer noch gut angefühlt. Da wussten wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagt Ulf über diesen mutigen Entschluss.

Kaalia

Von Gästen zu Gastgebern

Seither haben die beiden ihre ganze Kraft und jede Menge Ideen in den gemütlichen Raum gesteckt. Gemeinsam mit Freunden renovierten sie das Kaalia komplett und verpassten ihm mit der unverputzten Decke, schlichten Möbeln, von der Decke hängenden Salatschüsseln – für mehr Licht, nicht für mehr Grünzeug – einen unverwechselbaren Charme. Die Inspirationen und Besonderheiten aus den fremden Ländern dieser Welt treffen nun in vier kleinen Wänden zwischen Schlump und Universität zusammen. Und nicht zuletzt darauf: auf einer großen Fläche aus Stickern und Collagen, die wie Plakatwände regelmäßig überbeklebt werden kann, sitzt Baudelaire neben Allen Ginsberg, Ganesh neben einem Foto von den lieben Freunden, darüber eine Krähe mit der Aufschrift „We are smarter than you“ – ein persönlicher, charmanter und unblutiger kleiner Rachefeldzug der beiden an einem schwarzen Vogel, der ihnen zu einer späten Stunde den letzten Nerv raubte.

Kaalia

Im Kaalia verbinden sich heute durch das Engagement der beiden weit mehr als nur zwei Weltküchen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. In dem kleinen familiären Raum kommen vor allem unterschiedliche Menschen zusammen. Solche, die die Welt gesehen haben mit jenen, die das noch vor sich haben, Hamburger Weltenbummler mit internationalen Besuchern unserer Stadt, experimentierfreudige Anzugbäuche mit kulinarisch sturmerprobten Backpackermägen. Sie alle teilen die Neugier in Bezug auf die Kuriositäten, die hier auf ihren Tellern landen werden. „Viele Gäste sind etwas überwältigt, weil es meistens etwas ist, womit sie nicht gerechnet haben“, erzählt Wiebke lachend. „Aber genau das wollen wir erreichen: wir wollen Menschen überraschen und an das typische Essen anderer Kulturen heranführen, so wie wir in der Welt von offenen und liebenswerten Gastgebern an ihre Bräuche herangeführt worden sind.“ Das gelingt den beiden mehr als gut. Kein Wunder, denn ihre Persönlichkeiten lassen sich wohl mit den gleichen Worten beschreiben wie ihre Küche: kreativ, individuell – und vor allem authentisch.

Kaalia Street Cuisine

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GIVE & TAKE

Ulf & Wiebke suchen dich, wenn:
du ein kreativer Musiker bist, der eine „etwas andere“ Bühne und ein internationales Publikum sucht – beides bei Kaalia zu finden – oder wenn du ein Autor oder Geschichtenerzähler bist, der von seinen ungewöhnlichen Reiseerfahrungen berichten bzw. sie vorlesen und mit weltoffenen Menschen darüber ins Gespräch kommen will.

Du suchst Ulf & Wiebke, wenn du:
ein mutiger und experimentierfreudiger Genießer bist, der ein klassisches französisches Essen mal mit ein wenig orientalischer Würze und der einen oder anderen indischen Überraschung genießen möchte.

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