Karrierebäcker

Bernd – Freigeist im Freestyle

Es gab Zeiten, da waren sie nur etwas für echte Rocker. Für harte Typen und böse Mädels, die sich in Hinterhöfen Muster in die Haut stechen liessen. Die Tage, in denen man sich ein Ankermotiv von der Wand aussuchte, nur um bei der nächsten Partynacht drei ähnlich gebrandmarkten Seebären zu begegnen, gehören heut der Vergangenheit an. Individualität, Esprit und Abstraktion haben vorgefertigte Muster und Schablonen abgelöst und Tätowierungen – von ein paar Ausrutschern auf den Steißbeinen einiger weiblicher Mitbürgerinnen mal ganz abgesehen – salonfähig, ja sogar zu einer Kunst gemacht. Und wie bei anderen Künsten auch, ist es der Künstler, der die Geschicke seiner Zunft steuert.

Tattoo Hamburg

Bernd Muss ist ein solcher Künstler. Wer sein Heim betritt, merkt schnell, dass hier ein Mann mit einem lebhaften Vorstellungsvermögen am Werk war. Seine originelle Wohnung in einer alten Garage in Hamburg-Harburg hat ein bisschen was von einer Fantasy-Welt. Ein großes Durchgangsloch, das Frodo staunen ließe, schmückt die seitliche Tür, ein Fischteich trennt die Küche vom Wohnraum während das Esszimmer mit seinen alten Sesseln, Büchern und dunklem Holz den Charme  eines Herrenclubs  besitzt. Alles hier ist stilvoll zusammengewürfelt und wie seine Wohnung erscheint auch das Lebenskonzept von Bernd auf erfrischende Weise unkonventionell. Der kreative Bird ist gefragter Besitzer der beiden für ihren hohen künstlerischen Anspruch bekannten Tattoo-Studios „Tattoo Freestyle“ in Hamburg sowie Maler, Zeichner, Kreativer – und Vater. Seit ein paar Jahren ist er darüber hinaus Initiator und Mitorganisator der Hamburger „Ink & Ride“, mit der er Tattoo-Conventions, wie er selbst sagt, aus der„Flammen-Lack-und-Leder-Ecke“ holen möchte. Obwohl es so scheinen mag, als wäre Bernds Lebensentwurf eben auch im lockeren Freestyle entstanden, hat das Dasein, das er heute führt, den markanten Kreativen viel Hartnäckigkeit und einen ziemlich langen Atem gekostet.

Der Weg zu Tattoo Freestyle

Ein Typ mit eigenem Kopf und einem Faible für die Kunst war Bernd schon immer. Schon während der Schulzeit sprühte er seine künstlerischen Ideen an Wände und Gemäuer – mal mehr und mal weniger beäugt von Gesetzeshütern mit einem eher klassischen Kunstverständnis  – und suchte stets nach neuen öffentlichen Räumen für seine Murals, Zeichnungen und Malereien. Nach dem Abschluss der Mittleren Reife und des Zivildienstes bewarb er sich deshalb mit seinem Portfolio an der Kunsthochschule. Doch die Zusage, die seinen Lebensweg als Künstler ebnen sollte, blieb aus und ließ den Traum zerplatzen. Manch einer hätte an dieser Stelle vielleicht die Hoffnung aufgegeben uns sich artig einen Platz im klassischen System gesucht. Bernd hingegen blieb sich treu. Er malte, sprühte und zeichnete weiter – bis er das Angebot bekam, die Innenwand eines Tattoo-Studios mit einem alten Maya-Kalender zu bemalen.

image

Schnell fand der eigenwillige Kopf Gefallen an den gestalterischen Möglichkeiten der Tattoo-Kunst und den neuen Entwicklungsprozessen um ihn herum. Nun frei von konkreten Plänen für die Zukunft und ohne Mittel für eigene Materialien, begann Bernd eine Lehre in der kleinen Tattoo-Werkstatt in Harburg, um sich an der neuen Disziplin auszuprobieren. Doch das Tätowieren, damals noch die Leidenschaft von ein paar Freaks, sorgte nicht gerade für ein großes Rauschen. Ohne Internet, mit wenig Mitteln und einer Kunst, die sehr wohlwollend als „nischig“ bezeichnet werden konnte, war eine kritische Masse an Kunden kaum zu erreichen. Der Aufbau eines soliden Kundenstammes konnte also dauern. Ein Jahr. Zwei, vielleicht. Oder ganze neun. Denn neun Jahre dauerte es, bis Bernds Geschäft so gut lief, dass die Kunden ihn wollten, dass die Neugierigen aus allen Schichten kamen und das Geschäft nicht nur Verbindlichkeiten, sondern auch Freiheiten zu schaffen begann.

Das Studio, in dem er einst die Lehre machte, hat er heute selbst übernommen und führt es gemeinsam mit einem stillen Kompagnon. Ein zweites entstand in Eimsbüttel. Und läuft. Denn heute ist das Interesse an individuellen Tattoos so groß wie nie. Zusammen mit ungefähr neun Mitarbeitern tätowiert Bernd mittlerweile Leute aus der ganzen Welt, die ihre individuelle Vorstellung von Kunst und bedeutsamen Motiven für immer auf der Haut tragen wollen.

„Ich möchte mehr als nur ein Dienstleister sein“

So macht Bernd im Prinzip genau das, was er sich als Jugendlicher wünschte. Er verschafft seinen künstlerischen Ideen lediglich eine weitere Fläche. Die Haut des Gegenübers ist heute die Leinwand, auf die er seinen ganz eigenen Stil projiziert, der sketchy, surreal, graphisch und ein wenig mystisch ist. Aufträge, die ihm diese kreativen Spielräume verwehren, lehnt Bernd hingegen ab. „Leute, die einfache und reproduzierbare Tribals suchen, sind bei mir nicht richtig“ erzählt er. „Ich mag Sachen, die eine Herausforderung für mich darstellen und an denen ich mich weiterentwickeln kann – ich möchte mehr als nur ein Dienstleister sein.“

image_3

Seine Kunden hingegen sucht Bernd sich nicht immer aus. In den knapp 22 Jahren seiner beruflichen Tätigkeit ist ihm schon so einiges unter die Nadel gekommen, nicht zuletzt die Bandmitglieder von Rhianna. Doch auch schwere Jungs und harte Rocker, ein Bankräuber, ein Mörder – alles Menschen, die Bernd erst tätowierte und von deren Vergehen er später in der Zeitung las – sind unter den Gestalten, die einen Gastauftritt in seinem Salon hatten. Es sind Geschichten von Menschen, die einen nicht ganz kalt lassen. Schon gar nicht, wenn man diesen Menschen persönlich nahe gekommen ist. Mittlerweile hat der kreative Bird jedoch gelernt, sich abzugrenzen. „Tätowieren ist eine Tätigkeit, bei der automatisch sehr viel Nähe zum anderen entsteht und Mauern schnell durchbrechen“ erzählt Bernd. „Das liegt daran, dass man mit der Haut des anderen Menschen arbeitet. Man erfährt dabei sehr viel über den anderen, was sehr spannend sein kann, muss sich jedoch auch gleichzeitig immer wieder eine gewisse Distanz erkämpfen“, sagt er über seinen intimen Job.

Ein ganz besonderer Generationenvertrag

image_2

Zu einem Menschen hat Bernd hingegen wenig Distanz: zu seiner Tochter Ava. Die aufgeweckte Sechsjährige ist nicht nur sein Spross, sondern auch seine Geschäftspartnerin. In ihrem außergewöhnlichen Vater-Tochter-Projekt „Ava & Bernd“ illustrieren, malen und zeichnen die zwei miteinander, ersinnen Geschichten und basteln 3-D-Bilder für Wandbeklebungen in Kinderzimmern. Durch ihre kindliche Sichtweise und Bernds ausgereifte Persönlichkeit als Künstler entstehen Bilder mit ganz eigenen Dynamiken. „Ava ist noch vollkommen frei von Vorstellungszwängen. Die kindliche Begeisterung, mit der sie an Zeichnungen herangeht, hat mich von Anfang an fasziniert“, erklärt der Vater. „Dieser simple Blick auf die Dinge geht bei uns Erwachsenen allzu schnell verloren“. Vielleicht geht Ava irgendwann einmal an die Kunsthochschule. Oder macht ein Tattoo-Studio auf. Bis dahin aber übt und schafft sie mit dem kreativen Papa, der seine Begabung und das „Freestyle-Gen“ vererbt zu haben scheint.

Bernd Muss

Tattoo Freestyle

———————————-
GIVE & TAKE

Bernd sucht dich wenn:
du Marketingexperte bist oder gute Kontakte zu Kinder- und Jugendbuchverlagen hast, denn Bernd und seine kleine Ava suchen für ihre kreatives Vater-Tochter-Projekt Partner, die ihren Zeichnungen, Malereien und kreativen 3D-Projekten eine Öffentlichkeit verschaffen können.

Du suchst Bernd, wenn:
du ein Tattoo mit hohem gestalterischem und künstlerischem Anspruch suchst und nur einen echten Experten an deine Haut lassen willst.