Karrierebäcker

Maren – Enjoy the ride!

Austauschprogramme wie Erasmus sind vielen von uns, die sie zu Studienzeiten nutzen, noch in guter Erinnerung. Wenn die meisten auch weniger durch die Akkumulation wichtiger Scheine glänzten als durch ein gewisses „laissez-faire“, wilde Partynächte und ein unabdingbares Grundvokabular wie „una cerveza grande, por favor“, war und ist ein Auslandsaufenthalt doch fast immer eine prägende Angelegenheit. Was jedoch nur wenige behaupten können, ist dass sie die Sprache des Ziellandes am Ende einer solchen kulturellen Stippvisite wirklich gut sprechen gelernt hätten.

Maren Ehlting wünscht sich, dass Reisende im fremden Land ein bisschen mehr mitnehmen als ein paar romantische Pickup-Lines, coole Flüche und ein akzentfreies „Wo geht es hier zum Bahnhof, bitte?“ in der Mundart ihrer Wahl. Daher hat die 30-Jährige aus ihrer persönlichen Liebe zu Sprachen und Kulturen ein Business-Modell gemacht. In Hamburg gründete sie die Plattform Culturide, auf der sie Sprachbegeisterte mit Tandem-Partnern in Europa und der Welt vernetzt.

Mehr als nur eine Couch teilen

Schon vor dem Launch der Plattform in der vergangenen Woche hatte die kreative Gründerin auf Facebook rund 30.0000 (in Worten, zum im Ohr zergehen lassen: dreizigtausend, thirtythousend, treintamil) junger Fans eingesammelt, die gern tief in die Kommunikation und Gepflogenheiten ihres Reiselandes eintauchen möchten. Und das, Chapeau, liebe Maren, fast ganz alleine. Denn abgesehen von ihrem Co-Founder, der sich ausschließlich um die Programmierung kümmert, ist sie – Achtung, Codeswitch – in charge of it all.

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Die Plattform selbst funktioniert ähnlich wie die anderer Anbieter der Sharing Economy, die auf dem Teilen von Ressourcen wie Wohnungen oder Transportmitteln basiert und in der Unternehmen wie Uber oder AirBnB wichtige Akteure sind. Bei Culturide sind Sprachen die Grundlage, auf der das Teilen und die Vernetzung funktionieren: Ein Gastgeber stellt einem Reisenden seine Couch zu einem eigens festgelegten Preis zur Verfügung und tritt so mit ihm gezielt in einen Sprachaustausch. Reisende und Gastgeber finden sich über eben jene Sprachen, die sie jeweils gerade lernen möchten.

Dass es für ein solches Konzept einen Bedarf gibt, hat die gebürtige Düsseldorferin, die Interkulturelle Europa- und Amerikastudien studierte, für Volkswagen in Pamplona arbeitete und einen Master im Internationalen Marketing hat, nicht einfach als Basis für ihre Gründeridee angenommen. Sie hat diesen Bedarf selbst erfahren. Und zwar schon lange bevor sie diverse Studien zum Reise- und Lernverhalten der Millennials las, die sie zu dem Bau ihres Prototypens für Culturide veranlassten.

„In Sprachschulen lernt man nur internationale Leute kennen und keine Locals.“

Im Rahmen ihrer akademischen Ausbildung und ihrer Sprachkurse lebte die Weltenbummlerin u.a. in Argentinien, Nizza, Málaga und Edinburgh. Was ihr bei vielen dieser Aufenthalte fehlte, war der Kontakt zu echten Locals. Solchen, die ihr etwas anderes beibringen konnten als die Passivierung eines intransitiven Verbes. Solche, mit denen man eine fremde Sprache so lernt, wie sie im täglichen Leben tatsächlich gesprochen wird: beim Bierchen unter Freunden, beim Fußballspiel des Heimatvereins und in den eigenen vier Wänden. „Für mich war es immer ein Problem, dass man in den Sprachschulen meist nur andere ausländische Studenten kennenlernt. In Málaga habe ich beispielsweise mit fünf anderen Deutschen in einer WG gewohnt. Wenn man hingegen in eine Gastfamilie geht, die über eine Sprachschule organisiert wird, dann ist es leider oft so, dass der finanzielle Aspekt für die Familien stärker im Vordergrund steht als der Austausch mit dem anderskulturellen Gegenüber“, sagt sie über ihre eigenen Erfahrungen.

Und so machte Maren irgendwann kurzen Prozess. Nach einer Italien-Reise mit ihrer Schwester nahm die Idee zu Culturide so klare Formen an, dass sie eine solide und gut bezahlte Marketing-Position im Hamburger Maschinenbauunternehmen Jungheinrich an den Nagel hängte. Innerhalb weniger Wochen entwarf sie einen Businessplan, fand einen IT-Spezialisten und Kompagnon, der bereit war, das Projekt neben seinem festen Job mit ihr auf die Beine zu stellen und stellte sich allein den Herausforderungen, welche die Gründung einer Unternehmensgesellschaft mit sich bringt.

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Heute pitcht sie das Projekt auf Startup-Veranstaltungen und vor renommierten Gremien wie dem des European Youth Awards 2015 der EU und UNESCO, in dessen Finale sie es mit Culturide schaffte. Darüber hinaus sucht sie nach sinnvollen Partnern im Ausland und schafft Bereitschaft für ihr Konzept, das längst nicht mehr der Traum eines sprachverliebten Mädchens ist. „Die größte Herausforderung ist für mich, die Vision in der Öffentlichkeit von anderen Konzepten der Sharing-Economy abzugrenzen. Den Leuten muss klar sein, dass hier der Sprachaustausch und das Miteinander im Vordergrund stehen. Gerade in diesem Kern ist die Idee nämlich auch sehr gut skalierbar und lässt sich auf Communitys von Freischaffenden, Künstlern oder Digitalen Nomaden übertragen.“

„In Communitys aus Gründern wird der eigene Horziont automatisch erweitert.“

Für Maren selbst hat mit ihrer neuen Aufgabe und dem alternativen Lebensmodell auch eine andere Art von Austausch begonnen. „Ich finde es enorm wichtig, mich mit anderen Kreativen und Gründern auszutauschen und mir Feedback zu meinem Konzept einzuholen. In einer Firma haben die Mitarbeiter auf einem Projekt meist einen sehr ähnlichen Horizont. In Communitys aus Gründern oder Freischaffenden wird diese Welt der Erfahrungen automatisch ein bisschen größer. Davon kann ich enorm profitieren.“ Ein Stück größer wird die Welt auch mit ihrem Tandem-Reisekonzept. Und unser Horizont ein wenig breiter. Was sollen wir da noch sagen? We’re in for a ride!

www.culturide.com

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GIVE & TAKE:

Maren sucht dich, wenn:
du Lust hast einer der ersten Gastgeber auf der Platfform zu werden und Reisende bzw. Sprachschüler für ein paar Tage bei dir aufzunehmen, um ihnen unserer Kultur und Stadt zu zeigen. Darüber hinaus such Maren Investoren, die ein Interesse an Culturide haben und Maren bei der Skalierung ihres Modells unterstützen können.

Du suchst Maren, wenn:
du eine Reise planst auf der du mehr erleben willst als nur die Sehenswürdigkeiten eines Landes und vor Ort mit Menschen in Kontrakt treten möchtest, die eine großes Interesse daran haben, dich und deine Muttersprache besser kennenzulernen.