Karrierebäcker

Thorsten – Warum nicht Wacken

Es gibt Berufswünsche, mit denen man seinen Eltern nach dem eigenen Schulabschluss einen mittelschweren Herzinfarkt verpassen kann. Zirkusartist in Russland. Reismesser in Kambodscha oder so etwas. Unter den etwas weniger schrillen, die nur auf einem kreativen Tätigkeitsfeld und nicht zwangsläufig auf einer Manege am anderen Ende der Welt fußen, ist ein Berufsmusiker-Dasein als Elternschreck meist ganz weit vorn.

Thorsten Schuck hat sich von den Unkenfrufen, den sicherheitsorientierten Lebenseinstellungen der Elterngeneration und höflichen Verweisen auf die Brotlosigkeit seiner Kunst nie abschrecken lassen. Er hat eine Karriere als klassischer Sänger eingeschlagen. Heute ist der 32-Jährige, der gern seinen schwarzen Bühnenanzug trägt, ausgebildeter Bariton und steht für diverse Konzerte und Oratorien auf der Bühne. Ein beruflicher Weg also, der dem Bild eines klassischen Sängers vollkommen entspricht. Wäre da nicht dieses kleine Detail, das durch dessen Komposition fährt wie ein Jackson Pollock mit schwarzer Farbe. Denn Thorsten singt mit seiner melodiösen Stimme auch in der Metal-Band „Neopera“, die es musikalisch so richtig krachen lässt – nicht zuletzt auf dem berühmten Metal-Festival in Wacken, wo sie im vergangen Jahr erstmalig auftrat.

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Ein „Klassiker“ im Metal-Genre

In der Symphonic-Metal-Band, die sich 2011 in Hamburg gründete und auf Facebook mittlerweile rund 13.000 Fans hat, mischt sich Thorstens kraftvolle Stimme zusammen mit den Klängen der ebenfalls klassischen Sängerin Nina Jiers unter die scheppernden Vocals eines Metal-Shouters und die Arrangements des Dark-Age Gitarristen und Bandgründers Jörn Schubert.

Die Begegnung zweier klassischer Stimmen mit den dunklen Sounds des Metal bildet bei aller Begeisterung für Ansätze der Fusion zweifellos eine der etwas ungewöhnlicheren Art. Doch gerade das macht ihren Charme aus. Und für Thorsten ihren Reiz. „Was Musik betrifft, bin ich immer schon sehr experimentierfreudig gewesen, da meine Stimme enorm vielseitig ist. Gerade als klassischer Sänger muss man heute doch neugierig und flexibel bleiben, um mit Musik erfolgreich zu sein.“ Mit dem Wort flexibel meint Thorsten kreativ und einzigartig genug, um trotz der immer geringeren Nachfrage an klassischen Sängern neben den vielen Wettbewerbern aus Russland oder China zu bestehen, die schon als Knirpse auf gesangliche Höchstleistungen getrimmt werden, hervorragende Ausbildungen genießen und später in Europa nach beruflichem Glück suchen.

Zu der schrägen Band, die noch vor den ersten großen Proben oder gar Auftritten einen Plattenvertrag mit dem Edel-Sublabel „EarMUSIC“ bekam, stieß Thorsten über eine Freundin. Er, der die Rock- und und Metal-Sounds im Zimmer seines Bruders als Kind nur für lautes Geschrei und Krach hielt, ließ sich einen kompletten Tag lang Melodien, Kompositionen und Ideen des Bandgründers vorspielen und merkte, dass nicht alle Dark-Rocker harte Jungs und nicht alle Metaller schwarz, Verzeihung, grau sind. „Ich habe festgestellt, dass das, was ich wie viele andere mit Metal verband nur ca. ein Viertel von dem ist, was das Genre tatsächlich zu bieten hat.“ Dafür ist die Musik von „Neopera“ mittlerweile selbst das beste Beispiel, denn ihr musikalischer Twist ist so ungewöhnlich wie einzigartig, vielleicht noch vergleichbar mit Songs der Bands „Evanescence“ oder „Nightwish“.

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Trotz allem bilden das alternative Genre und die neuen musikalischen wie situativen Kontexte für den Bariton, der im klassischen Gesang ausschließlich mit seiner Stimme einen ganzen Saal füllen muss, bis heute immer wieder eine Umstellung. Neben der Abhängigkeit vom Funktionieren der Technik, der die Klassik entbehrt, und der Arbeit mit einem Mikrofon spielen auch bei Proben und Live-Auftritten plötzlich ganz andere Aspekte eine Rolle. So z.B. die Arbeit mit einem extrem lauten Schlagzeug, das es ihm persönlich schwer macht, seine Einsätze herauszuhören.

Den Traum am Leben halten

Die flexible und offene Einstellung gegenüber anderen musikalischen Einflüssen und Richtungen erlaubt es Thorsten, dem Traum einer Karriere als Musiker treu zu blieben. Neben „Neopera“ singt er in dem Gesangensemble „DieSaenger“, das UFA-Filmmusik-Schlager aus den 20er bis 40er Jahren interpretiert und in der kreativen kleinen Jazz-Band „Silent Seducers“, während ihm ein Teilzeit-Job im Service eines digitalen Buchverlages ein Lebensfundament sichert. Ohne die Musik zu leben ist für ihn dabei keinerlei Option. „Ich kannte eigentlich nie etwas anderes als das. Wenn es diese Ebene in meinem Leben nicht gäbe und ich Tag für Tag einem Bürojob nachgehen würde, wäre ich vermutlich totunglücklich. Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens, auf der Bühne zu stehen und zu sehen wie das, was ich mit meiner Stimme erschaffe, Emotionen und Freude beim Publikum auslöst.“

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Aus diesem Grund ist der neugierige Bird auch bereit, derart hart daran zu arbeiten, eines Tages vollständig vom Gesang leben zu können. Denn dafür ist ein langer Atmen nötig. Oder in seinem Fall ein tiefer. In jedem Fall einer, der tägliches und beständiges Training benötigt und dessen Ausbildung sich längst nicht so leicht in ein Übungsprogramm gießen lässt wie die Formung eines strammen Bizeps. Denn eine Stimme, vor allem eine, die im klassischen Gesang bestehen und über ein ganzes Orchester singen können muss, funktioniert aus seiner Sicht wie ein Uhrwerk: viele kleine Rädchen greifen hier ineinandergreifen, um eine stabile Technik zu gewährleisten.

Nur gut daher, dass diese Rädchen auch in Thorstens Leben ineinandergreifen. Ein klassisches Rädchen. Ein Jazz-Rädchen. Ein verrücktes kleines Metall-Rädchen. Sie alle bilden die Basis für das, was er immer sein wollte: für die Gesamtkomposition eines Lebens als Musiker. Eine, die heute auch seinen Dad begeistert, der stolz auf seinen Sohn  ist – und bei Konzerten gern in der ersten Reihe sitzt.

Thorsten Schuck

Neopera

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GIVE & TAKE

Thorsten sucht dich, wenn:
du musikalisch gesehen experimentierfreudig bist, Musik für dich nicht nur aus zwei Akkorden besteht und du gern mal über den musikalischen Tellerrand der Charts schaust. Auch wenn du Erfahrung im Bereich Management besitzt oder anstehende CD-Produktionen finanziell unterstützen möchtest, freut er sich auf Dich. Darüber hinaus natürlich, wenn du Lust hast, bei einem der Live-Auftritte von „Neopera“ oder bei dem eines seiner anderen Projekt dabei zu sein.

Du suchst Thorsten, wenn:
du eine Firmenveranstaltung, ein Stadtfest, einen Geburtstag oder eine Hochzeit planst. Mit seinem Ensemble „DieSaenger“, sorgt er da gern für die richtige Stimmung. Auch, wenn du schon immer mal singen lernen wolltest, bist du bei ihm richtig, denn der experimentierfreudige & flexible Bird gibt auch Gesangsunterricht.