Kulturkuriere

Petra & Nic – Die Retro-Pioniere

Wenn der Herbst beginnt, wird so manch einer ein wenig nostalgisch. Dann werden alte Erinnerung herausgekramt, Fotos aus vergangenen Zeiten oder Musik, die man vor Jahren einmal gern hörte. Die Medien, die diese Erinnerungen festhielten, gehören heute zum großen Teil der Vergangenheit an. Die gute alte Kassette ist mitsamt des geliebten Kabelsalats meist nur noch in den Tiefen des eigenen Kellers auffindbar, eingegraben zwischen ein paar Fan-Postern, die so manch einer gern vergessen würde, abgelöst vom schier unbegrenzten Angebot von Spotify, Deezer oder Soundcloud.

Der CD, die sich noch wacker in den Regalen vieler Musikgeschäfte hält, würden wohl viele einen ähnlichen Abtritt prophezeien. Doch es gibt auch immer wieder Menschen, die um die Vorteile wissen, die ein solches Medium den Rezipienten und vor allem auch den Künstlern bieten kann.

Petra und Nic von Vogelstein haben etwas getan, was in digitalen Zeiten irgendwie so gar nicht nach einem großen Coup aussieht. Sie haben in Hamburg ihr eigenes kleines Musik-Label mit dem Namen Birdstone Records – yes, that’s right – in Leben gerufen. Dass es allein des Namens wegen für uns quasi unmöglich ist, über die beiden nicht zu berichten, ist klar. Doch es ist eben nicht nur diese Parallele, sondern vor allem ihre Idee, der digitalen Welt einen haptischen, liebevoll ausgearbeiteten Kontrapunkt entgegenzusetzen und in der Angebotsflut wiederLiebhaberstücke zu schaffen, die das Herz schnell für ihr mutiges Projekt öffnet.

Celebrating Independence

Die erste Veröffentlichung ihres kleinen Labels, ausschließlich auf Vinyl und CD erhältlich, ist die Compilation „Independent Celebration, Vol.1“, auf der Independent Künstler und Songwriter vorwiegend von der US-amerikanischen Westküste ihre Songs eingespielt haben. Darunter sind die hierzulande mittlerweile bekannte Rachael Yamagata, Tom Freund – ein Weggefährte des Musikers Ben Harper –, Larry John McNally, aus dessen Feder der Motown Song stammt, der Rod Stewart 1991 weltweit an die Chartspitzen katapultierte und den er für das kleine Label extra neu aufnahm sowie der Singer-Songwirter Ed Romanoff, der an Leonard Cohen erinnert. Zu der kühnen Idee inspirierte die beiden Birds kein geringerer als Ben Taylor, Sohn von Musiklegende James Taylor, der erklärte, dass er für Birdstone gerne neue Alben veröffentlichen würde und vorab seinen Song „Wicked Way“ beisteuerte.

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Dass „Independent Celebration, Vol. 1“ eine echte Herzenssache für Petra und Nic ist, merkt man an der Aufmerksamkeit, die allein in das Medium geflossen ist, das die Songs der Künstler transportiert. Das Cover der CD, dessen Elemente mit Heißluft gestanzt sind, ist ein wahres Schmuckstück, dazu gibt es – ganz die alte Schule – ein Booklet mit detaillierten Informationen über die Songs und Künstler und eine visuelle Darstellung der Verbindungen zwischen ihnen und anderen bekannten Namen der Musikszene.

Vor allem geht es den beiden, die gemeinsam auch die Agentur artist.people.promotion haben, darum den Songs und Ideen von in Deutschland weniger bekannten Künstler eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Künstlern, mit denen sie durch ihre eigenen Reisen in die USA allesamt eine persönliche Beziehung pflegen und die in Deutschland weder Infrastruktur noch Netzwerk haben. „Ich vergleiche die Rezeption und das Entdecken neuer Musik gern mit einem Besuch in einem guten Restaurant“, erklärt Nic. „Wenn ich gut essen gehe, sage ich dem Koch auch nicht genau, wie er mein Essen zubereiten soll, sondern vertraue auf seine Kreativität und darauf, dass er mir am Ende etwas Eigenes und Überraschendes kredenzt. Petra und ich möchten genau das sein: Sterne-Köche für eben diese Art von Musik.“

„Es war immer die Pionierarbeit, die mich an Projekten begeistert hat.“

Daran, dass die beiden das nötige Know-how besitzen, am Ende eine musikalische Delikatesse zu servieren, darf wohl kaum Zweifel bestehen. Denn das Paar, das sich auch im Musik-Business kennenlernte, kennt alle Seiten, die den Markt ausmachen. Nic, der in Bayern groß wurde, einst Künstler werden wollte und sich in jungen Jahren als DJ sein Geld verdiente, stieg als einer der ersten in die private Radioszene ein. In München war er ab 1984 Stellvertretender Direktor des Radiosenders Xanadu, arbeitete für Radio N1 in Nürnberg und baute später Radio Energy in Hamburg mit auf, das bis dato nur Stationen in München und Berlin hatte. Noch heute arbeitet er für das Unternehmen Radiopark, das Hotels und Kreuzfahrtschiffe mit Hintergrundmusik versorgt „Es war vor allem immer die Pionierarbeit an Projekten, die mich begeistert hat, weil es da keine Ausreden gibt“, erzählt der Bayer, der sich mit Birdstone Records wieder an eine neue Aufgabe wagt.

Ed Romanoff

Singer-Songwriter Ed Romanoff

 

Petra stieß über eine Zeitungsanzeige auf ihren ersten Job beim Label EMI Electrola, bei dem einst Künstler wie Tina Turner und Joe Cocker unter Vertrag waren, und arbeitet in den Folgejahren unter anderem für das von Richard Branson gegründete Label „Virgin Records“ und die WEA. Jeder auf seine Weise und in seinem Metier erlebte die goldenen Zeiten der Musikindustrie: Flüge zu Interviews nach New York, ein Treffen mit The Who, Studioaufnahmen mit den Simple Minds, eine Begegnung mit dem damals noch wenig bekannten Richard Branson, wilde Partys, schräge Newcomer und durchgeknallte Künstler. Doch auch die dunkleren Seiten dieser Welt kamen in ihren Jobs zum Vorschein: knallharte Verträge für junge Künstler, wenig Raum für Innovation in Playlists und Programm, gekürzte Tantiemen und die Entwicklung der Industrie zu einem durch und durch wirtschaftsgetriebenen Business, das seine Interessen gegenüber den frechen Innovatoren im digitalen Markt zu wahren versuchte.

Petra & Ben Taylor

Petra & Ben Taylor

Mit der Gründung ihres Labels und der Veröffentlichung ihrer Compilation verbinden die beiden Retro-Pioniere nun die Erfahrungen ihrer beider Leben zu einem logischen Schluss und gehen damit ein echtes Risiko ein, denn den Vertrieb und die Vermarktung ihrer Platte übernehmen sie selbst. „Wenn man solche Kanäle ausgliedert, dann verliert das Projekt schnell wieder seine eigene Handschrift“, sagen sie über diese Entscheidung. Das scheint sich auszuzahlen, denn eine eigene Handschrift hat ihr Projekt allemal. Die ihre, die auf ihren vielen Kontakten, Erfahrungen und vor allem der Liebe zur Musik basiert. Und auch die der vielen Künstler, die sich durch eine Veröffentlichung auf der von ihnen geschaffenen Plattform eine Unabhängigkeit von den Major Labels bewahren. Für ein solch authentisches und kreatives musikalisches Menü hört man doch gern mal in der Birdstone-Küche rein. Bon appetit!

artist.people.promotion

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