Kulturkuriere

Werner – Der Hafenbarde

Der Harburger Binnenhafen ist wie ein Charakterdarsteller. Er ist ein wenig schroff und doch faszinierend, er hat viele Gesichter. Inmitten von Industrieanlagen und Wohnschiffen, Heimat kreativer Künstler und kleiner Entenfamilien, liegt die zum Hausboot umgebaute HADAG-Fähre von Werner Pfeifer. Die „Stadersand“ ist das Schiff und ehemalige Zuhause eines Mannes, auf den die eigenwillige Umgebung abgefärbt zu haben scheint. Oder  andersherum.

Der kleine Ozean im Süden Hamburgs

„kleiner ozean“ steht über dem Eingang des Wohnschiffes, ein Name den sowohl sein Album mit Hafenliedern als auch viele seiner Projekte tragen. Für Werner Pfeifer drückt er am besten aus, was in seinem Leben von Bedeutung ist: das Große im Kleinen sehen, nicht nur Weltbürger, sondern auch Nachbar sein. Hier in seiner Heimat ist der „Hafenbarde“ noch vieles mehr: Liedermacher, Polizeireporter, Flüchtlingshelfer und Kulturförderer. Er ist eines der vielen Gesichter, die dem Hafen seinen Charme geben. Gemeinsam mit der lokalen Community belebt er ein Quartier wieder, das bei vielen Hamburgern beinahe in Vergessenheit geraten war. „Früher kamen viele Kinder zum Spielen in den Binnenhafen. Es war ein lebhafter Ort, bevor er dann lange brach lag“ erzählt er, zurückgelehnt auf der umgebauten Brücke der ausgefallenen Wohnung zu Wasser. „Mit unseren kulturellen Aktivitäten im Binnenhafen wollen wir den Harburgern nun ein Stück dieser alten Identität zurückgeben“.

Für Werner Pfeifer selbst ist der Harburger Binnenhafen erst zur Heimat geworden: in Volksdorf aufgewachsen zog er eine Zeit lang als Liedermacher durch Europa und arbeitete später u.a. für das Radio als Reporter. Während einer Mitarbeit bei Greenpeace entdeckte er das Wasser und die Elbe für sich. Für umgerechnet 28000 DM kaufte er die ausrangierte HADAG-Fähre, die er – schon damals mit vereinten Kräften von Freunden und Unterstützen – im alten Industriehafen zum Wohnschiff umbaute. Als einer der ersten Hausbootbesitzer zog er 1995 schließlich in den Binnenhafen. Heute dient das Schiff ihm nicht mehr als Wohnung – es ist vielmehr eine Plattform für Kultur, Austausch und Miteinander geworden.

Engagement in der Flüchtlingshilfe Hamburg

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Sein „kleiner Ozean“ soll künftig auch für Menschen aus anderen Teilen dieser Erde ein Zuhause sein. Daher ist Werner Pfeifer Mitglied der Willkommensgruppe für die Flüchtlinge, die seit Kurzem auf einem Flüchtlingsschiff im Binnenhafen untergebracht sind. 60 Menschen aus Krisenländern leben mittlerweile auf der „Transit“, 220 sollen es werden. Der Binnenhafen wird für sie zur Zuflucht fernab der von Bürgerkriegen zerrütteten Heimat, zur Chance auf ein beständigeres Leben. Doch ohne Hilfe vor Ort bliebe die kleine Welt im Süden Hamburgs für viele von ihnen fremd. „Natürlich war es eine Herausforderung, als wir erfuhren, dass das Flüchtlingsschiff am Kanalplatz kommen würde“ erzählt der charismatische Lokalpatriot. „Aber wir haben uns hier zusammengetan, um die Menschen bestmöglich willkommen zu heißen.“

Die Flüchtlinge, darunter viele junge Akademiker aus Ländern wie Somalia, Eritrea oder Syrien erwartet im Binnenhafen ein starkes Netzwerk aus Menschen, die helfen wollen. Viele der Mitarbeiter der rund 150 Firmen im Stadtentwicklungsprojekt „Channel Hamburg“ bilden die Task Force, die das Zuhause in der Fremde mitgestaltet. Ungefähr 40-60 aktive Helfer bieten von Deutschkursen über Behördenhilfe bis hin zu Mutter-Kind-Betreuung Unterstützung für die neuen Bewohner des Hafens an. Jeder leistet seinen Beitrag: das Büro ist in einem kleinen Raum einer ehemaligen Sparkassenfiliale untergebracht, eine andere Firma stellt einen VW-Bus für Transporte zur Verfügung. „Wir sind hier eine wirklich starke Gemeinschaft. Nur so können wir den Menschen hier einen Ort der Zuflucht bieten“ erzählt Werner über die Stimmung in dem aufblühenden Quartier. Seine Willkommensgruppe organisierte ein kleines Fest als die ersten Vertriebenen eintrafen. Er selbst spielte zu diesem Anlass seine eigens komponierten Songs auf der Gitarre und ließ die sie für die Migranten sogar grob ins Arabisch übersetzen.

P1010325Ob das neue Zuhause für die Flüchtlinge auch tatsächlich zur Heimat wird, ob es genug Perspektiven gibt, das wird sich zeigen. Sicher ist, dass sie hier im Hamburger Süden an einen Ort gelangen, der in Bewegung ist. Ein Ort an dem sie ein wenig Herzlichkeit jenseits der Gräueltaten ihrer Heimatländer erwartet. Nicht nur von Werner Pfeifer, sondern auch von vielen anderen der Harburger Community, die hier auf kleinem Raum Integration schaffen wollen. Werners Träume hingegen bleiben groß. Er möchte eine alte Fischhalle im Binnenhafen kaufen und sie zusammen mit einem befreundeten Künstler zu einer Begegnungsstätte aus Café und Galerie machen – zu einem neuen kleinen Ozean.

 

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GIVE AND TAKE:
Werner sucht dich,
wenn: wenn du dich aktiv für die Flüchtlinge engagieren möchtest, die auf der Transit im Harburger Binnenhafen untergebracht sind oder du Lust hast deine Hochzeit, eine Party, eine kulturelle Veranstaltung oder jegliches andere Event auf seiner Charakterlocation „Stadersand“ zu feiern.
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du dich im Hamburger Binnenhafen engagieren möchtest.