Stilsolisten

Roger – Gründen? Jederzeit!

Es gibt Ideen, die pirschen sich leise heran wie Raubtiere an ihre Beute. Ihre Macht entfaltet sich nicht explosionsartig wie die einer unglaublichen Entdeckung oder einer spontanen Eingebung. Die Samen dieser Spezies werden wie zufällig gesät, durch eine flüchtige Begegnung, einen Blick oder ein Gespräch und wachsen dann langsam heran, bis unser Verstand sie wahrnehmen kann.

261013-3907Rogers Idee, ein Modelabel für ausgefallene Herrenmode -und Accessoires zu gründen, ist solch eine leise Idee. Erst heute, mit über 60, ist für ihn der Moment gekommen, das zu tun, was hippe Hamburger heute vermehrt mit Mitte 20 tun: er gründet ein Startup, ein Hamburg Modelabel um genau zu sein. Es ist eine Startup-Idee, dessen Produkte kurioserweise weit außerhalb seines Erfahrungsspektrums liegen. Denn Roger, Sohn eines Franzosen und einer Vietnamesin, studierte zunächst Architektur, später Psychologie. Seine kreative Seite bediente er damals, indem er größere und kleinere menschliche „Dramen“ auf Zelluloid spiegelte: er drehte Kurzfilme, die mal augenzwinkernd, mal komisch und mal poetisch zwischenmenschliche Desaster und Höhenflüge in Szene setzen. Seine leicht entrückten Filme, viele davon mit dem Hamburger Schauspieler Dominik Horrwitz – herrlich! – in der Hauptrolle, liefen auf diversen Filmfestivals in Deutschland und in Frankreich.

Das Thema Mode hatte für Roger zunächst keinen besonderen Stellenwert. Es verschaffte sich seine Präsenz quasi durch die Hintertür. Oder vielmehr durch ein französisches Schaufenster. Bei einem Bummel durch Paris entdeckte er vor Jahren eine originelle Boxershorts, die exakt zu einem Hemd passte, das er ein paar Jahr zuvor in Hamburg gekauft hatte. Eine nette Idee wäre es, wenn es diese zwei Stücke gleich zusammen zu kaufen gäbe und man nicht erst in eine andere europäische Großstadt jetten müsste – befand er damals. Doch wie sagt man so schön? Eine Schwalbe macht noch keinen Business Case. Als sein Sohn Jahre später Papas Kleiderschrank auf der Suche nach einem Hemd durchforstete, das zu seinen Boxers passen sollte, wurde Rogers Idee laut. Könnte man daraus ein Geschäft machen? Man könnte. Doch für Roger war es noch nicht an der Zeit. No call for action. Yet. „Ich wollte mir erst die Zeit nehmen, die andere Lebensphase abzuschließen, bevor ich mein Label gründe“ sagt er. „Jetzt sind meine zwei Kinder erwachsen, sie gehen ihre eigenen Wege und ich habe wieder mehr Zeit, meine Ideen mit voller Power voranzutreiben“.

Seit anderthalb Jahren betreibt Roger neben seinem Beruf als Psychotherapeut nun das Label „Roger Le Beherec Fashion“, sucht nach Vertriebspartnern und Produzenten, verkauft gemeinsam mit Hamburger Jung-Designern in Popup-Stores und bringt seine Geschäftsidee in Business-Modell Wettbewerben ins Gespräch. Das Außergewöhnliche an Rogers Kollektion ist die lässig-sportliche Kombination von ausgefallenen Modestücken. Die Sets seines Labels, sein „Magic Trio“, beinhalten jeweils eine Boxershorts, ein kombinierbares Hemd und ein ausgefallenes Paar Socken. Das komme gut an, auch und besonders bei den Damen, erzählt er, tres charmant natürlich.

Ein einmaliges Hamburger Modelabel

3er Set im karton, caro hemd, boxer u socksDen Vertrieb möchte Roger künftig noch weiter ausbauen und entwickelt daher ein LookBook, auf dessen Basis die Firmen sich für Modelle entscheiden und so gezielter bedient werden können. Nicht nur in solche Vertriebsideen fließt ungemein viel Kraft und Engagement. Mode ist und bleibt ein Knochenjob. Doch dass es hier um ein knallhartes Geschäft geht, in dem kaum jemand Platz findet, der nicht seit jeher Teil des bunten Fashionzirkus ist, konnte Roger nicht abschrecken. „Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich am liebsten alles an die Wand klatschen möchte“ erzählt er offen. Doch gerade wenn es um Hindernisse oder ums Scheitern geht, sieht er seine Vorteile als später Gründer: „Ich weiß heute wer ich bin, was ich kann und was ich nicht kann. Ich muss mich weniger mit anderen vergleichen. Mir ist wichtig, meiner Linie und mir selbst treu zu bleiben und immer an den kreativen Prozessen beteiligt zu sein.“

Auf den ersten Blick hat Roger mit der Hinwendung zur Mode eine späte Kehrtwende hingelegt. Er selbst sieht das anders: „Aus meiner Sicht habe ich mich schon immer mit dem befasst, was der Mensch nach außen trägt und worauf sein Selbstbewusstsein fußt“, erzählt er. „Meine Mode – Boxer, Hemd und Socken – ist nur eine mögliche Variante zur Abbildung unserer selbst, des Ichs, des Es und des Überichs. Sie ist etwas, das uns repräsentiert, gibt uns aber auch innerer Sicherheit, wenn wir wissen, dass wir von Kopf bis Fuß durchgestylt sind und uns wohl in unsere Haut fühlen“ erklärt er. Klingt plausibel. Und irgendwie ziemlich abgefahren. Eines wird in jedem Falle deutlich: Roger hat letztlich nicht das eine oder das andere Leben, den einen oder den anderen Arbeitsbereich gewählt, sondern Konzepte, die einander bereicherten, als ihre Zeit gekommen war. Dafür hat er einfach das getan, was alle Kreativen und Gründer tun: er hat Gedankengut aus einem Kulturbereich auf eine anderen übertragen. Das Gedankengut, auf das wir alle Zugriff haben, egal wie viele Jahre die Uhr zählt.

www.rlb-fashion.com

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GIVE AND TAKE:

Ihr sucht Euch, wenn:
wenn du einen Laden oder Store besitzt, in den Rogers Magic Trio gut passen würde oder wenn du an andere Formen der Vertriebs-Kooperation interessiert bist