Stilsolisten

Ina & Nicole – Worte machen Leute

Im Karoviertel herrscht samstags Remmidemmi. Muttis mit Kinderwagen schieben durch die Straßen, Touristen bestaunen die kreative Lässigkeit des alten Armenviertels und zwischen all dem Trubel liegt ein Hauch von Poesie. Nein, nicht in der Luft. In einem kleinen Geschäft an der Feldstraße. Auf T-Shirts, Anhängern und ähnlichen Artikeln verewigt Ina Kurz, Inhaberin von Maegde u. Knechte, was man sonst in Büchern oder als Tattoos auf den Armen äußerst skurriler Gestalten findet: freche „Weisheiten“, knackige Sprüche und ein paar einfach schöne Gedanken.

20150606-P1010570Die Wurzeln des kleinen Ateliers Maegde u. Knechte liegen schon lange im Karoviertel. Ursprünglich war das Projekt mit dem servilen Namen als Arbeitsvermittlungsagentur von Künstlern in den Arbeitsmarkt konzipiert. Doch Ina, die Philosophie und Theologie studierte, schuf hier schließlich einen Raum für das, was sie am meisten inspirierte: die Vielseitigkeit der deutschen Sprache. Mit ihren „lyrische Kurzwaren“ war sie eine der ersten Hamburgerinnen, die dem deutschen Wort auf Textilien ein neues Territorium erschloss. Wenn die Welt sich schüttelt sind wir alle nackt steht auf einem ihrer Shirts – ein Gedanke, der ihr mit dem katastrophalen Tsunami 2004 kam und seine Gültigkeit in Anbetracht der vielen Erdbeben und Naturkatastrophen nicht verliert. Wie oft wäscht eine Hand die andere und beide blieben schmutzig hingegen klebt auf einem Seifenspender. We know what you mean – der Hände wegen spielt man schnell mal Fußball in der Sonne von Katar.

Leben ohne doppelten Boden

20150606-P1010578„Was die Texte angeht gibt es im Weltgeschehen unglaublich viel Inspiration“ sagt Ina. „Die Herausforderung ist für mich eher, die richtigen Worte für das passende Objekt zu finden.“ Doch nicht nur solche kreativen Prozesse verantwortet sie selber – auch der Ankauf der Materialien, die Auswahl der Farben, der Aufdruck der Sprüche und das Online-Geschäft liegen allein in ihrer Hand. Der Vertrieb ihrer Waren ist mittlerweile enorm zeitintensiv, denn die Aussagen auf ihren Produkten finden auch internationalen Anklang: die Shops im K21 in Düsseldorf, im Palais de Tokio in Paris und im ZKM Karlsruhe vertreiben ihre Produkte, zudem gehören ihre Arbeiten zur zeitgenössischen Sammlung im Haus der Geschichte in Bonn. Im Gegensatz zu vielen touristischen Artikeln, die coole Sprüche präsentieren, um die Verkäufe zu steigern, haben die Poesien von Ina vor allem eines: Relevanz. Es sind Themen, die beschäftigen, ehrliche Sprüche und Gedanken, die trotz ihrer Kürze einen wahren, mal ironisch-witzigen und mal philosophischen Gehalt aufweisen und die bei vielen Menschen offenbar einen ganz besonderen Nerv treffen. Den Nerv, der die Impulse erst in den Kopf und von dort weiter direkt ins Herz führt und mit dem reizt, was ein jeder gerne hätte: Charakter, Statement und Identität.

Identität und Charakter hat auch Inas Geschäft, das auf Vetrauensbasis läuft. Es ist ein Vertrauen, das durch Nähe entstanden ist. Durch die Nähe zum Kunden. Zum Viertel. Zu den Menschen, die sich für das interessieren, was man zu sagen hat. Vermutlich aus diesem Grund kauft bei Maegde u. Knechte die Oma für den Enkel und der Punk für die Party, Passanten grüßen wie dickste Freunde, Bekannte lassen sich zu Plaudereien auf der Eingangstreppe nieder und andere Ladenbesitzer kommen hereingeschneit, um die Breaking News der Nachbarschaft zu diskutieren. Doch Verwurzelung ist nur eine Facette, ihr gegenüber steht für Ina das Bestreben nach persönlicher Unabhängigket und individuellen Freiräumen, nach der Möglichkeit, sich Auszeiten einzuräumen, zu reisen, das Geschäft auch kurzzeitig mal dicht zu machen. Ein zweites Standbein hingegen hat sie nicht. „Ein solches Konzept greift für mich nicht“ sagt sie über ihr Lebensmodell. „Alles was ich je gemacht habe, habe ich mit vollem Risiko und echter Leidenschaft gemacht. Ich führte schon immer ein Leben ohne doppelten Boden.“

Willkommen im Salon Campinski

20150606-P1010588In dieses verwurzelte und doch flexible Business passt Nicole Hohmann, einstige Nachbarin von Ina, mit ihrem kleinen Ein-Frau-Friseuratelier wunderbar. Seit ein paar Monaten schneidet der kreative Bird – der zudem DJ für das Schweizer Elektro-Label Doubletwin-Records sowie Makeup-Artist ist und für Hamburger Charakter-Fotografen wie Carlos Kella arbeitete – die Haare ihrer Kunden im Atelier von Maegde u. Knechte. Im kreativen Atelier mit dem neuen Mischkonzept wird in ähnlich intimer und vertrauter Atmosphäre wie im Rest des Ladens nur eine Person zur Zeit mit einer neuen Frisur versehen. Man lässt sich Zeit. Man schnackt. Man teilt seine Geschichten. Neben den vielen Stammkunden aus dem Karoviertel, die seit Jahren zu Nicole kommen, brezelt sie auch kurzerhand mal eine Gruppe Travestiekünstlerinnen für eine Show auf oder stylt ein paar Pinup-Models für das nächste Shooting. Und wie so häufig, wenn zwei bunte Vögel aufeinandertreffen, potenzieren sich die verrückten Ideen mit einer solchen Begegnung. In Warnsdorf an der Ostsee haben die Charakterköpfe nun das etwas andere Friseurerlebnis etabliert: in einem Wohnwagen auf dem nicht bebaubaren Grundstück einer alten Kläranlage soll künftig von Zeit zu Zeit  der alternative „Salon Campinski“ aufploppen, in dem Freunden, Verwandten und Neugierigen mit Outdoor-Flair, Wohnzimmer-Atmosphäre und so richtig Stil die Haare geschnitten werden. Olé – wir nehmen die Damen bei ihrem frechen Wort.

www.maegdeundknechte.com

 

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GIVE AND TAKE:
Wir dürfen Ina in Bezug auf ihr Gesuch zitieren:
*DEMOKRATISCHES DILEMMA
SPIESSIG ODER KORRUPT*
– gesucht wird ein Ausweg.

Darüber hinaus sucht Nicole dich:
wenn du für Shootings, Modenschauen oder ähnliche Projekte einen talentierten Make-up-Artist brauchst oder wenn du mal the-one-and-only beim Friseurbesuch der etwas anderen Art sein möchtest.

Du suchst Ina und Nicole, wenn:
du Menschen magst, die was zu sagen haben.