Stilsolisten

Jula & Anna – Sustainable supergirls

Angeblich entstehen die besten Einfälle ja beim einen oder anderen Gläschen unter Freunden. Nur kann wohl leider nicht jeder behaupten, dass aus den vielen Träumereien in weinseliger Laune gleich der Grundstein für das neue Apple gelegt wurde – geschweige denn auch nur für den neuen Obststand an der Ecke. Aber manchmal funktioniert es eben doch. Zumindest für Juliana Holtzheimer und Anna Bronowski. Als die beiden Studentinnen des Textilmanagements 2013 bei einem alkoholischen Kaltgetränk beisammen saßen, stellten sie sich eine Frage, die sich offenbar noch nicht allzu viele andere gestellt hatten: gibt es im Bereich Sustainable Fashion zwischen teuren Designerprodukten und alternativem Öko-Schick eigentlich auch schlichte und stilvolle Mode im Mittelpreissegment – also so etwas wie H&M oder Zara in nachhaltig? There’s only one way fo find out: die beiden fuhren gemeinsam auf die Berlin Fashion Week um auf den kleinen Messen wie der Ethical und dem Green Showroom zu  verifizierten, was es nach dem kreativen Umtrunk zu beweisen galt: im Bereich der sowohl modischen als auch bezahlbaren nachhaltigen Mode klaffte ein kreatives Loch, das es mit guten Ideen zu stopfen galt.

Black is the new green

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Heute haben Anna und Juliana mit Mitte Zwanzig ihr eigenes kleines Modelabel mit dem verspielten Namen Jan ‘n June, das nachhaltige und modische Kollektionen produziert  – zu bezahlbaren Preisen. Black is the new green behaupten die zwei kreativen Durchstarterinnen frech und wollen mit ihren Kleidungsstücken die nachhaltige Mode aus der grünen Ökö-Ecke holen. Und leise ist in dieser grünen Welt offenbar das neue laut, denn die Philosophie der zwei Mädels und ihres charmanten kleinen Labels hat nichts von der Gestik mit erhobenem Zeigefinger, nichts von hysterischem Aktivismus und hartnäckigem Weltverbesserertum. Juliana und Anna bieten, still und leise, schöne und nachhaltige Mode für junge Menschen an, bei denen ein Bewusstsein für nachhaltiges Leben und Handeln besteht. Für solche, die – ohne wegen eines solchen Investments monatelang nur Butterbrot essen zu müssen – mit einer gewissen Regelmäßigkeit in nachhaltig produzierte Stücke investieren wollen. „Wir sind da an einem sehr spannenden Punkt“, erklärt Anna, „denn wir glauben, dass auch im nachhaltigen Modesektor eine immer stärkere Segmentierung stattfinden wird, so wie es beispielsweise im Bereich der Biolebensmittel geschieht – da passen wir mit dem Spirit von Jan ‘n June momentan sehr gut rein.“

Ihr kleines Sustainable Fashion Label, das im August 2014 offiziell an den Start ging, gründeten die beiden kreativen Birds ohne jegliche Berufserfahrung direkt nach dem Studium. Kann man ja mal machen. Doch wo anfangen, wenn man wenig praktische Erfahrungen mitbringt? Vor allem erstmal pragmatisch, fanden die zwei, tauschten Einfälle aus und schoben sich über Zeit- und Ländergrenzen Power-Point-Files hin- und her. Denn während der Gründung ihres Startups war Anna teilweise in Dubai, Juliana machte – ganz nebenbei – einen Master mit den Schwerpunkten Logistik und Wertschöpfung in Schweden, wo das Thema Nachhaltigkeit den Mode- und Textilstudiengängen bereits inhärent ist. Zu Themen wie Stoffen und Lieferanten fragte die beiden kurzerhand den auskunftsfreudigsten Berater von allen: Google.

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Den ersten kleinen Business Case für ihr Projekt entwickelten sie, als sich die Chance auftat bei einem Wettbewerb für nachhaltige Geschäftsideen mitzumachen. Gewonnen haben sie dabei nichts. Doch das war auf diesen Höhen des Spiels eigentlich schon egal. Die Idee war da, die Leidenschaft brannte und es fehlte den beiden Ladies nicht an Drive, das Ganze im wahrsten Sinne in trockene Tücher zu bringen. Mit einem Crowdfunding bei Nordstarter und ein wenig Eigenkapital finanzierten sie die ersten Schritte für Jan ‘n June und begannen zu zweit ein Projekt zu stemmen, für das andere Firmen 10 Angestellte benötigen.

Denn Jula und Anna sind – there’s no business like startup business – natürlich Head of Everything. Head of Production und Head of Marketing, Head of Excel und Head of Photoshop, Ideenköniginnen und Paragrafenreiterinnen, Excel-Brains und WordPress-Gurus zugleich. Von der Kollektion bis hin zu ihrer Website entwickeln die beiden alles zu zweit. „Durch das Gründen direkt nach dem Studium hatten wir sicher nicht die Kontakte und Skills, die anderen nach vielen Jahren Berufserfahrung haben“ erzählt Jula. „Auf der anderen Seite haben wir auch noch keine Verpflichtung, kein Haus das abbezahlt werden muss, keine Kids. Andere geben an diesem Punkt des Lebens ihr Gespartes für eine Weltreise aus – wir haben eben ein Startup gegründet.“

Sustainable Fashion Hamburg

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Mittlerweile floriert das grüne Business mit den schwarzen Looks ordentlich. Das mag zum einen an dem charmanten Understatement, zum anderen aber auch an den außergewöhnlichen Materialien liegen, welche die beiden immer wieder aufs Neue ausfindig machen. Von recyceltem Polyester, das aus geschredderten PET-Flaschen – danke,  liebe Leergutsammler – besteht ist da die Rede, von Stoffen wie Recyled Polyamid, das aus den Tampen von alten Fischernetzen entsteht und von Materialien wie Lyocell, einer modifizierten, umweltfreundlichen und cellulosebasierten Form von Viskose, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen wird. Klingt alles irgendwie nach Amish-Look, sieht aber nach Armani aus. Und fühlt sich – wie wir bezeugen können – auch so an. Produziert werden die Kollektionen der beiden in Breslau, in einem kleinen Familienunternehmen, in dem Juliana, die selber polnische Wurzeln hat, jede Näherin beim Namen kennt. Auch ihre Kundinnen können die Produzentinnen ihrer Lieblingsoutfits bald kennenlernen – nämlich über die QR-Codes an den Hangtags der Stücke, die direkt zu den Online-Informationen der Näherinnen und zur detaillierten Zusammensetzung der Materialien führen.

Derzeit sitzen die beiden kreativen Mode-Birds an einer neuen Kollektion mit dem Namen Supergirl. Wenn sie sich morgen auf den Weg zur Berliner Fashion Week machen um sich unter die großen Player der Branche zu mischen  – dieses Mal nicht nur mit Neugier, sondern mit ihrer dritten Kollektion im Gepäck – dürfte dieser Name Programm sein: because supergirls just fly.

www.jannjune.com

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GIVE & TAKE

Juliana und Anna suchen dich, wenn:
du als Investor unterwegs bist und dir vorstellen könntest, in ein kreatives und nachhaltiges Fashion-Label zu investieren dessen Konzept gut skalierbar ist.

Du suchst Juliana und Anna, wenn:
du dein Geld für nachhaltige Mode aus tollen Materialien ausgeben möchtest – auch mal öfter!