Stilsolisten

Philip – Der Mustermann

Es gibt Ideen – beispielsweise die der Sharing-Economy – die scheinen unter Gründungswilligen irgendwie der Renner zu sein. Quasi das, was die Blue Jeans für die Mode ist. Irgendwie immer trendy und je nach Kombination stets ein bisschen anders im Look and Feel. Würden Business Angels für jedes Mal, wenn sie den Satz „Wir sind das AirBnB für…“ hören, einen Euro kriegen, bräuchten sie sich über Return on Investment und Exits wohl keine Gedanken mehr zu machen. Und dann gibt es noch Gründungsideen, die sind beim ersten Hingucken ungefähr so modisch wie eine Bomberjacke.

Philip Gaedke hat so eine Idee. Eine von denen, die an der Oberfläche, sagen wir, nicht besonders „en vogue“ erscheinen. Denn sein Business-Modell basiert auf einem Konfigurator für Tapeten und Fototapeten. Ganz recht. Fototapete. Wie das leicht kitschige „Sunset in Krabi“ im Separée des Thailänders Eurer Wahl.

Zufallsgestützte Muster und fertige Designs

Philip hingegen sieht in solchen Tapeten viel mehr als einen etwas eigenwilligen und leicht altbackenen Schick für Restaurants oder den eigenen Hobby-Keller. Er sieht ihr Potenzial für eine mutige und identitätsstiftende Gestaltung von Räumen und Interieurs,  wie sie eben nicht in jedem „Schöner Wohnen“-Katalog zu finden ist. Daher entwickelte der kreative Querkopf einen Tapeten-Onlinekonfigurator, der weit mehr kann als Fotos in den großflächigen digitalen Druck zu schicken. Der Nutzer soll künftig zufallsgestützt unendlich viele Muster und Rapports damit generieren und sie mit verschiedenen Designs und Fotos, die auf Philips Online-Plattform zur Verfügung stehen, kombinieren können.

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In dieser Systematik besteht auch ein wichtiger Teil seines Business-Modells. Denn die Finanzierung des kleinen Startups will der Crazy Bird nicht nur auf der Dienstleistung des Tapetendrucks aufbauen, sondern auch auf einem Provisionsmodell für Designer und Fotografen, die ihre Entwürfe, Bilder und Muster auf das Portal laden und so von deren Zweitverwertung auf einer vom User entworfenen Tapete profitieren können. „Solche individuellen Designs und auch das Zufallsprinzip sind extrem wichtig für die Gestaltung“, erklärt der 43-Jährige Gründer, aus dem plötzlich die Künstlerseele spricht. „Sie gewährleisten die kleinen Ungenauigkeiten, welche die Kunst erst zu etwas Besonderem machen. Vollkommene und starre geometrische Figuren haben schlichtweg nicht dieselbe Ästhetik.“

„Wenn du programmierst bleiben deine Ideen immer im Kosmos einer virtuellen Welt“

In seinem ungewöhnlichen Projekt fließt für Philip, wie er selbst sagt, alles zusammen was er kann und gelernt hat. Der umtriebige handwerklich begabte Bird, der früher Erfinder werden wollte, studierte erst Architektur, dann Produktdesign und arbeitete nach seinem Abschluss eine zeitlang als Game-Entwickler bevor er sich mit einem Tapetenhandel selbstständig machte. Schon während seines Studium brachte er sich selbst das Programmieren bei – für ihn ein dem Design durchaus artverwandtes Handwerk. „Ich beschäftige mich schon immer gern mit Mustern und letztendlich liegen sowohl dem Design als auch der Programmierung immer Muster zugrunde“ erklärt er die Parallele, die sicherlich nicht jeder sofort als solche erkennt. „An der Programmierung liebe ich die direkten kausalen Zusammenhänge. Du machst etwas an der einen und es geschieht etwas an der anderen Stelle. Es ergibt sich ein sofort sichtbarer Output. Leider bleibt aber alles, was du bewegst oder gestaltest immer im Kosmos einer virtuellen Welt. Mit dem Konfigurator kann ich die Muster der Programmierung kreativ mit solchen verbinden, an denen sich Menschen auch in der realen Welt erfreuen können.“

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So charmant und überzeugend diese Motivation auch sein mag, sie bedeutet nicht zwangsläufig den Erfolg eines solchen Modells. Schließlich brauchen auch Muster letztendlich einen Markt. Mit dem jedoch scheint sich der künstlerisch begabte Analytiker ebenfalls intensiv auseinandergesetzt zu haben. „In Russland, den USA und Australien gehen Tapeten enorm gut. In Deutschland ist noch Überzeugungsarbeit nötig, aber mein Angebot geht mit den generischen Designs eben auch weit über einfache Fototapeten hinaus“, erklärt er seine Vision. Zu überzeugen gedenkt Philip nach eineinhalb Jahren Arbeit am Konfiguratior noch so einige Ungläubige, die am Anti-Image des besonderen Wandschmucks festhalten. Darüber hinaus noch flippige Teenies und deren mutigen Eltern, Architekten und auch Malerei-Betriebe, die den Konfigurator als Alleinstellungsmerkmal im Rahmen ihrer Diensteistung nutzen können.

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„Das Schöne an dem Projekt ist, dass es immer im Fluss ist und nicht nur unheimlich viele Rapports sondern auch externe Gestaltungsmöglichkeiten generiert. Man könnte beispielsweise Klangtapeten oder individuelle Designs und Farben erzeugen, die man dann später um Details wie aufgeklebte Strass-Steinchen ergänzt. Oder etwas ganz anderes. Ein Bekannter schlug mir eine Fototapete in Form eines Fußballstadions vor“, schmunzelt er verschmitzt.

Wie viele Leute tatsächlich zwischen Nord- und Südtribüne aufwachen wollen, sei an dieser Stelle dahingestellt. Die Tapete generell, das fühlen wir im kleinen Zeh, feiert in dieser Saison definitiv ihr Comeback.

Schon mal ein bisschen spielen?

Zu den Tapeten

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GIVE & TAKE

Philip sucht dich, wenn:
du Fotograf oder Designer bist, der eine „Zweitverwertung“ für Bilder, Muster oder gestalterische Entwürfe sucht und Du Dir ein bisschen was dazuvererdienen möchte, indem Du dein Matieral den User der Plattform zur Verfügung stellts.

Du suchst Philip, wenn:
du Tapeten magst oder Dich zumindest davon überzeugen lassen möchtest, dass Tapeten nicht immer aussehen müssen wie „Herbstlaub im Altweibersommer“ in Omis Hobbykeller.

 

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