Vollzeitvisionäre

Jenny – Looking for trouble

In der Wissenschaft ist es eigentlich ganz einfach. Es gibt ein Problem, das eine Lösung erfordert. Man kann sie klassisch errechnen, ableiten, verifizieren, falsifizieren. Aber am Ende des Tages bemisst sich der Erfolg in einer der ältesten Disziplinen der Menschheit daran, ob man auf eine bestehende Frage eine richtige Antwort liefern kann. Im Unternehmertum hingegen kann dieser Kern von Erfolg schnell verschwimmen – schließlich gründen Menschen aus vielerlei Motiven. Weil Copy & Paste für sie mehr als eine Tastenkombinationen ist. Weil die Strände in Kalifornien doch so traumhaft sein sollen. Oder weil sie der festen Überzeugung sind, dass ihre Idee die Zeit rückwärts laufen lassen und das Universum neu ordnen wird, weil sie schlicht und einfach „the next big thing“ ist. Bis jetzt lief die Zeit noch niemals rückwärts. Und nur weil eine Idee glänzt wie die Scheiben im Silicon Valley, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch ein Problem löst.

Eine Nische für gebrauchtes Material

Jenny Bernstorff hatte eine Idee, die auf den ersten Blick nicht glitzert und blinkt, jedoch genau das erreicht: sie schafft Abhilfe für ein großes Problem, mit dem eine wichtige Branche tagtäglich konfrontiert ist und das Jenny am eigenen Leibe erfahren hat. Ihre Online-Plattform „Jack Tomato“, die sie als Solopreneurin ins Leben gerufen hat, ist ein Marktplatz für das Gastrogewerbe. Betriebe und Einzelpersonen können hier gebrauchtes Küchenmaterial inserieren und an andere weiterverkaufen. Damit bedient sie eine Nische in einem riesigen Markt, den offenbar noch nicht viele als solchen erkannt haben. „Im Gastrogewerbe ist es so, dass man, wenn man einen Laden mitsamt der Konzession übernimmt, auch die Ausstattung dort annehmen und entsprechenden Abstand zahlen muss. Das sind teilweise horrende Summen für Material, das man für seinen eigenen Betrieb gar nicht braucht“, erklärt sie die Situation der Branche. Solch hohe Investitionskosten und dünne Eigenkapitalquoten hätten zufolge, dass viele Gastrobetriebe es nicht schafften, schnell genug profitabel zu werden, was wiederum einer der Gründe für die vielen Insolvenzen junger Restaurants sei. Wie also solche Materialien wieder loswerden? In den Köpfen einiger mag gedanklich nun vielleicht das 3-2-1-Meins ablaufen, doch die Plattform Ebay sei für diesen Handel eben nicht der richtige Marktplatz. „Der Absatz der sehr speziellen Gerätschaften über Ebay ist zum einen mit extrem hohen Streuverlusten verbunden“, sagt Jenny, „zum anderen eignet sich Ebay nicht für Blockverkäufe und gebrauchte Ware wird häufig von Neuwaren-Händlern verdrängt.“

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Die Idee kam Jenny, die lange Zeit in der Unternehmens- und Mittelstandsberatung u.a. für die Berenberg Bank arbeitete, als sie selbst mit komplizierten Abstandsverhandlungen konfrontiert war. Ihren damaligen Lebensgefährten unterstützte sie bei der Etablierung des Restaurants „Chapeau“, das erst als verrücktes Popup-Konzept in Rothenburgsort aufploppte, wo es für viel Furore und wilde Partys sorgte, und heute am Goldbekkanal zu Hause ist. „Es war unglaublich, was damals als Summe für die Übernahme festgelegt wurde. Leider war diese Ansage auch enorm schwer zu verhandeln, das es de facto keine Marktpreise und kaum Vergleichswerte für diese gebrauchten Küchenausstattungen gab.“

Und da plötzlich packte es Jenny. Schon zuvor hatte sie immer wieder mit dem Gedanken gespielt, zu gründen und echte Pionierarbeit zu leisten. Ein ähnliches Konzept wie das, was heute Amorelie betreibt stand auf ihrer gedanklichen Roadmap wie auch die Idee, einfache Hotelketten komplett mit Ikea-Möbeln auszustatten, um so neue Arten von „Showrooms“ zu schaffen. „Leider hab ich keine Ahnung von Hotellerie“, erklärt sie schmunzelnd „und außerdem waren viele der Ideen, die ich hatte, sehr asset- und investitionslastig. Es sollte aber etwas sein, das sich gut umsetzen und mit meinem eigenen Kapital stemmen ließ.“

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 „Wir wollen Jack Tomato auch zu einem Sprachrohr der Branche machen.“

Für Jack Tomato war die Gründerin und Mutter eines kleinen Sohnes wunderbar gewappnet. Aus ihrem Studium der Business Communictaions kannte sie sich hervorragend mit CRM sowie den technischen und inhaltlichen Anforderungen von Datenbank-Design aus. Zudem hatte Jenny in ihrer Zeit als Beraterin gute Kontakte zu großen Brauereien – die der kecken Idee gleich den „Proof of Concept“ lieferten. „Als diese ehemaligen Kunden mir sagten, dass sie einen echten Bedarf an einer solchen Plattform sähen, war für mich klar, dass das Ganze funktionieren kann. Meine Markteintrittsstrategie hab ich so gleich on top dazubekommen.“

Seit September ist der gute Jack nun online und die ersten Ausstattungen und Geräte wechseln erfolgreich ihre Besitzer. Doch die Gründerin, die das Projekt in den sozialen Medien mit dem witzigen und etwas rauen Ton bewirbt, der in der Gastroszene üblich ist, hat noch weitere Pläne für ihre Plattform mit dem saftigen Nachnamen. Sie möchte Jack Tomato zu einer deutschlandweiten Community und zu einem wichtigen Sprachrohr der Gastro-Szene machen, die eine der größten Branchen in Deutschland bildet. „Wir könnten Umfragen gestalten, Diskussionen moderieren und letztlich einen starken Zusammenhalt sowie eine Lobby kreieren, die die vielen Probleme und Fragen der Branche auch in die Politik trägt. Gastronomen würden damit weniger zum Spielball der Ämter und Reglementierungen und wir können aktiv an der Verbesserung der Umstände im Gastgewerbe beteiligt sein“, sagt sie über ihre Pläne. Es kommen also noch einige Fragen auf Jenny und Jack zu, die es zu lösen gilt. Wir haben keine Zweifel daran, dass sie das locker wuppen werden. Denn Jenny hat Drive. Und Jack ist schließlich Jack. Jack Tomato.

www.jacktomato.de

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GIVE & TAKE

Jenny sucht dich, wenn:
du jemand bist oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der Kontakt zu Christian Rach hat – you know how it works. Außerdem natürlich, wenn du ein Gastronom bist, der den Belangen der Branche mehr Öffentlichkeit verschaffen und den Anspruch mittragen will, sie positiv nach vorn zu bringen – dann sind Deine Ideen bei Jenny und Jack immer willkommen 😉

Du suchst Jenny (und Jack), wenn:
du Gastronom bist und in deiner Küche Ausstattungen und Geräte stehen hast, die du eigentlich nicht nutzt und sie daher zu barem Geld machen möchtest.

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