Vollzeitvisionäre

Gerd – der Zeitmaximierer

Gerd Cordes ist kein gewöhnlicher Werkstattbesitzer. Das weiß man, sobald man sein Arbeitsreich betritt. Ein ausrangierter Berliner Stadtbus thront in seiner Werkstatthalle zwischen schicken Oldtimern und Geländewagen wie ein Bauwerk. Das Dach des alten Doppeldeckers, den er auf Ebay günstig ersteigerte, erhöhte der Erfinder kurzerhand selbst. Heute dient der schräge Stadtbus ihm und seinen zehn Mitarbeitern als mobiles Büro. Man müsse schließlich flexibel bleiben, sagt er. Die Fähigkeit auf sein Umfeld flexibel zu reagieren, zeichnet auch die Story von Gerd aus. Es ist der Weg eines Tüftlers, der in seinem beruflichen Metier immer wieder neue Chancen erkennt. Aus diesem Grund verdient der gelernte Industriemechaniker und studierte Journalist seinen Lebensunterhalt heute nicht nur mit seiner Werkstatt für Oldtimer in Hamburg, sondern auch mit einer ziemlich ungewöhnlichen  Erfindung.

Von Rost und Roadtrips

Timemax-Geschichte-007Ursprünglich wollte Gerd Fotograf werden, schöne Mädchen fotografieren, durch die Metropolen dieser Welt flanieren. Seinen Erfindergeist belebte jedoch nicht die weibliche Schönheit, sondern der  materielle Verfall. Im Jahr 1983 fand er als 19-jähriger Mechanik-Lehrling einen vollkommen verrosteten Fiat Spider, verliebte sich und setzte alle Anstrengungen daran, den Wagen vor dem Schrottplatz zu bewahren. Ein hoffnungloses Unterfangen – das gute Stück rostete ihm, wie er seufzend erklärt, innerhalb kürzester Zeit unter dem Hintern weg. Neuer Fund, neues Glück. Ein weiterer Fiat Spider folgte dem der Korrosion erlegenen Vorgänger, ebenso verrostet, ebenso geliebt. Ein Auto, das heute voller Erinnerungen an Gerds wildeste Zeiten ist.  Die Zeiten in denen er loszog um im Stil von Brösels „Werner“ Korsika zu erobern: ein Kasten Bier unter der Kühlerhaube im knallbunt bemalten Spider, drei Groschen in der Tasche, Frank Zappa im Ohr und einem Kumpel an der Seite – ein Roadtrip vom Feinsten.

Schutz für Oldtimer in Hamburg und der Welt

P1000669_1Es sind solche Erinnerungen, die ein Auto wie den Spider schützenswert machen. Gerd begann zu tüfteln, das Ziel immer vor Augen: einen Rostschutz, der besser wirkt und ein Fahrzeug langfristig schützen kann. Heute vertreibt er seine Rostschutzmittel in alle Welt, sogar bis nach Australien. So manches Baby haben sie vor der letzten Fahrt zum Schrottplatz bewahrt und auch in großen Industriezweigen wie Windkraftanlagen kommen sie zum Einsatz. Wie der Mann so weit gekommen ist? Das liegt daran, dass die Welt Gerd als Spielwiese dient. Zu Beginn testete er die verschiedenen Mixturen seiner Mittel noch in eigens sandgestrahlten Kaffeedosen, heute stellt ihm die Reederei Hapag Lloyd ihre Schiffe als Testumgebung zur Verfügung. „Für diese Chance bin ich der Reederei unendlich dankbar, es ist für mich eine geniale Möglichkeit, sämtliche Klimabedingungen der Welt zu simulieren“ erzählt er voller Begeisterung für seinen ausgefallenen Job. Auf den Schiffen befestigt er seine Testbleche in den mit Seewasser gefüllten Ballasttanks und erhält durch die unzähligen Routen der Schiffe verschiedene Informationen über den Prozess der Korrosion.

Wertschöpfung statt Obsoleszenz

P1000622_1Der Sport Spider des wilden Road Trips steht heute neu lackiert und noch immer ohne Rostlöcher in seiner Werkstatt. Hier setzt Gerd seine Mittel ein, um weitere Lieblinge vor dem Verfall zu retten. „Die meisten Autos hier stecken voller Abenteur“ erzählt er. „Erst kürzlich kam ein Mädchen, das den Bulli retten wollte, in dem sie vor fast dreißig Jahren auf der Hochzeitsreise ihrer Eltern gezeugt wurde. Sie möchte mit ihrem Freund und demselben Bulli nun die gleiche Reise antreten wie ihre Eltern damals.“ Der Rostschutz, den Gerd entwickelt, hält meist einen ganzen Produktzyklus vor. Es ist der Gedanke der langfristigen Wertschöpfung, den er der geplanten Obsoleszenz vieler großer Autohersteller entgegensetzen möchte und der ihn jeden Tag aufs Neue antreibt.

Für Gerd bedeutet das, dass viele Kunden nur einmal im Leben zu ihm kommen. Daher ist er in der Entwicklung von Werbe- und PR-Maßnahmen so gewieft und kreativ wie mit seinen Produkten. Verrückt sind seine Rostjägeraktionen an Neuwagen, bei denen er mit einem Kamerateam von RTL Neuwagen im Feierabendverkehr anhielt, um an den jungen Schlitten Rostschäden nachzuweisen. Herzblut steckt in dem Logo seiner Werkstatt TimeMAX, das an die Streifen der Jacke von Steve Mc Queen in dem Filmklassiker „Le Mans“ angelehnt ist. Und so abgedreht wie sehenswert (see below)  ist sein selbst produzierter Werbefilm „Rost killt Klassiker“, in dem er „zu Beweiszwecken“ mit einem Panzer einen alten Jaguar überfährt. Einen Jaguar der, wie er der ungläubig dreinblickenden Redaktion nachdrücklich versicherte, definitiv nicht mehr zu retten war. Na schön, Gerd, den verzeihen wir dir. Mögen die anderen lange leben!

www.timemax.de

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GIVE AND TAKE:
Gerd sucht dich, wenn:

du Mitarbeiter in seiner Restaurations-Werkstatt werden möchtest und die nötigen Fachkenntnisse dafür mitbringst.

Du suchst Gerd, wenn:
du einen Oldtimer oder Auto hast, das dich lange begleiten soll, wenn du gar nicht von Autos verstehst, wenn du viel von Autos verstehst