Zeitvergolder

Philipp – Hamburg, ride on

Manche Menschen reiten durchs Leben. Dafür brauchen sie lediglich eine Welle der Gelegenheit – und ein gutes Board. Heute reitet: Philipp Heindl, beide Füße auf dem Brett, die Nase im Wind der neusten Trends. Zusammen mit seinem österreichischen Landsmann Christian hat der zweifache Familienvater in unseren hanseatischen Lowlands den Freerider, einen kleinen Shop für Fans von Board und Ski in Hamburg. Klingt gar nicht mal so schlecht – und gar nicht mal so erfolgsversprechend. Doch der konsequenten Abstinenz der Berge zum Trotz trifft Philipp mit seinem Angebot einen Nerv. Neben Material verkauft er über seine Reisen ein Lebensgefühl: das Once-in-a-lifetime-Erlebnis, den Kontrapunkt zum Alltag, der bei vielen so absehbar ist wie der Plot einer Columbo-Folge. Mit einem zur Yacht umgebauten Walfänger durchquert er die einsamen Fjorde Norwegens auf der Suche nach unberührten Tourenski-Destinationen, im Heli fliegt er an die abgelegenen Steilhänge im italienischen Piemont. Es sind Reisen an jene stillen Plätze dieser Erde, an denen das Murmeltier täglich grüßt – allerdings noch höchstpersönlich. Die Attribute der Reisenden sind so bunt wie gegensätzlich: Ausbrecherinnen und Abenteurer, Familienväter und Singles, Klassenclowns und Lonesome Cowboys. “Es sind deutlich mehr Leute dabei, die sich eine solche Erfahrung leisten wollen, als solche, die sie sich leisten können“ erzählt Philipp. Das sagt viel aus. Nicht nur über seine Reisen. Auch über die Macht des Grenzgangs. Ein bisschen weniger Stromberg, ein bisschen mehr Indiana Jones.

Der Traum vom Freerider

Auch Philipp selbst lebt seinen Traum. Für die Gründung seines unkonventionellen Ladens hat er wie auf die richtige Welle gewartet – und einen Schub Glück mitgenommen. Nach den Studien der Textilwirtschaft und BWL arbeitet er zunächst für Tom Tailor und für Falke. Die Idee etwas Eigenes zu schaffen, verließ ihn jedoch nie. Während des ersten großen IT-Booms investierte der Wiener – mutig wie fachfremd – in großvolumige Drucker, der Gewinn wurde zum Startkapital für seine erste Firma „No Summer“, die Winter-Incentives für Firmen anbot. Wenig später lernte er Christian kennen, der in Hamburg Kiteboards baute und sein Geschäft in Richtung Wintersport ausbauen wollte. Es entstand die Idee für den Freerider und damit der Kampf für ein Laden, dessen Location in den Gewölben unter den Dammtor-Schienen keinesfalls mit einer 1A-Lage gesegnet ist.

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No risk, no fame

Dass es nicht reichen würde, lässig und cool daherzukommen war Philipp und Christian von Beginn an klar. Wer seine anspruchsvollen Käufer bedienen möchte, der muss ganz nah am Produkt sein und sinnvolle Innovationen erkennen. Leicht ist das nicht, denn erfolgreiche Marken werden schnell beliebig, die Newcomer hingegen sind ein Risiko. Doch eben dieses Risiko wählen die beiden immer wieder, indem sie an das glauben, woran sonst keiner glaubt. Auch wenn man bei solchen Experimenten – wir dürfen zitieren – häufiger in die Scheiße greift als in Gold. Als einer der ersten Läden in Deutschland setzten sie auf die Firma LibTech, die erstmals Snowboards mit gewellter Kante für mehr Griff baute. Die Kunden kamen, die Kunden lächelten – und kauften erstmal nix. Heute ist LibTech eine der wichtigsten Marken am Markt. Mit ihrer Risikobereitschaft haben die beiden sich ihre besondere Klientel aus Individualisten, Freigeistern und Selbstverdienern in Hamburg geschaffen, die Funktionalität und Innovation im Sport zu schätzen wissen. Die Show vieler Trendsportarten, für die es so viele „unabdingbare“ Gadgets gibt wie in einem besseren James Bond Film, findet im bescheidenen Freerider keine Bühne.

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Für eine ihrer jüngsten Errungenschaften benötigt man nicht mehr als ein Brett und ein Paddel. Schon vor fünf Jahren setzten sie auf die Vielseitigkeit des SUP-Sports, für den Hamburg mit seinen Gewässern ein optimales Revier bietet. Da die stehend über die Alsterkanäle paddelnden Gestalten vielen Hamburgern eher kurios als cool erschienen, suchten sie nach Partnern, die gemeinsam eine Erlebniswelt für den Sport schaffen wollten. Als Antwort gab’s Fragezeichen und Kopfschütteln – geliebtes Deutschland, Wiege der Risikofreude. Mittlerweile bieten die zwei von SUP-Yoga über Race bis Wellentraining sämtliche Kurse an, haben Stationen in Hamburg, Stade und Dänemark und Zulauf wie der Elbstrand im Sommer. Looks like gold to us. Auch auf den SUP-Boards ist in Kürze der große Getaway geplant: noch in diesem Jahr wollen sie in kleiner Gruppe durch die Kanäle von Venedig paddeln – genau in den zwei Stunden vor der berühmten Regatta Storica, in denen keine motorisierten Fahrzeuge auf den Wasserstraßen erlaubt sind und die Stadt ganz den Paddlern gehört. Das Rezept ist dasselbe: ein Traum, ein Brett – eine Gelegenheit.

www.freeridershop.de
Alsterglacis 18, 20354 Hamburg

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Philipp sucht dich, wenn du:
Eine Wohnung oder ein Haus mit Wasserzugang in Hamburg hast, wo sich ein paar SUP Boards lagern lassen – kostenlose Nutzung wär für dich natürlich inklusive!

Du suchst Philipp, wenn:
du ein Ausreißer, Adrenalinjunkie, Naturliebhaber und natürlich ein Fan von den Brettern bist, die die Welt bedeuten.

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